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Die «Gläserne Decke»: Fakt oder Fiktion?

Eine literarische Spurensuche in deutschsprachigen Werken von Autorinnen

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Edited By Dolors Sabaté Planes and Marion Schulz

Die Metapher Gläserne Decke steht für Hindernisse, mit denen Frauen konfrontiert sind, wenn sie in ökonomischen wie alltäglichen Bereichen in klassische Männerdomänen einzudringen suchen, etwa Anspruch auf Führungspositionen erheben. Vor rund dreißig Jahren fassten Soziologen in den USA dieses Phänomen im wirtschaftlichen Bereich als glass ceiling. Die in diesem Band zusammengestellten Analysen literarischer Texte zeigen, wie das Phänomen der Gläsernen Decke das Alltagsleben von Frauen vom 18. bis ins 21. Jahrhundert auf differenzierte, häufig unterschwellige und erschreckend selbstverständliche Weise bestimmt. Gleichzeitig schaffen sich die untersuchten Autorinnen mit ihren autobiografischen Texten, Romanen, lyrischen und dramatischen Werken Freiräume und brechen tradierte Grenzen auf.

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Berit Balzer: Die Gläserne Decke von innen und außen: Ulla Hahns Entwicklung zum erzählenden Subjekt

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Die Gläserne Decke von innen und außen: Ulla Hahns Entwicklung zum erzählenden Subjekt Berit Balzer Ulla Hahn gehört zwar altersmäßig zur „ikonoklastischen“ 68er-Genera- tion, ist jedoch in ihrem Werk immer wieder gewissen Mustern der deut- schen Literaturtradition verpflichtet, in der sie fabelhaft bewandert ist. Der Frauenbewegung der 70er Jahre verschrieb sie sich zunächst nur zögerlich, vielleicht aufgrund eines anfänglichen Misstrauens gegenüber deren liberal- mittelständischen bis großbürgerlichen Vertreterinnen, von denen die neuen Impulse anfänglich ausgingen.1 Gerade hatte Ulla Hahn auf autodikatischem Weg ihre Befreiung aus Proletariat und Bildungsmangel geschafft, da wur- de ein komplettes Umkrempeln traditioneller Frauenbilder von ihr gefordert. Gewiss lehnte sie intuitiv das überlieferte Rollenverhalten der Mütter und Großmütter ab, aber der Geschlechterkampf war für sie anfangs eher eine Begleiterscheinung des persönlichen Klassenkampfes. Denn konsequenter- weise übersetzt sich auch bei Ulla Hahn die Emanzipation der Frau, neben der Forderung nach geschlechtlicher Gleichstellung, in eine Befreiung aus gesellschaftlichen Schranken. In ihrem Schaffen lässt sich eine allmähliche Entwicklung vom gleichsam ‚empfangenden Gefäß‘ – sie ist zunächst wie ein Schwamm, der literarische Vorbilder aufsaugt und neu verarbeitet – zum kre- ativen Subjekt genauestens nachvollziehen, denn auch in geistiger Hinsicht ‚empfängt‘ sie anfänglich eher, als dass sie selber einen persönlichen Diskurs produziert. Sie ergreift das Wort erst relativ spät in ihrem Leben, und man fin- det in ihrem gesamten Werk immer wieder versteckte Hinweise auf bekann- ten Quellen (und sogar...

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