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Johannes Brahms «Ein deutsches Requiem» in Hamburg

Eine Aufführungs- und Rezeptionsgeschichte

Dieter Feldtmann

« Ein deutsches Requiem wird wahrscheinlich jenes Werk sein, mit dem Brahms in die kommenden Jahrhunderte hinüberlebt» – so in einer frühen Kritik. Davon legt die Hamburger Aufführungs- und Rezeptionsgeschichte beredtes Zeugnis ab. Es dauerte jedoch Jahrzehnte, bis das Werk in der Öffentlichkeit durchgesetzt war. 1906 etablierte sich die deutschlandweit einmalige Hamburger Tradition der Bußtagskonzerte. Seit Mitte der 1950er Jahre traten dann bei den Aufführungen neben der Hamburger Singakademie immer mehr Hamburger Chöre und Kantoreien hinzu. Mit dem Wandel gesellschaftlicher, politischer, ökonomischer und musikästhetischer Gegebenheiten änderten sich sowohl die Rezeptionsbedingungen als auch das Werkverständnis. So ergibt sich bei aller Wiederholung und Konstanz in der über 140-jährigen Aufführungsgeschichte in Hamburg ein abwechslungs- und facettenreiches Bild des Brahmsschen Werkes.

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II Die Hamburger Tradition der Bußtagskonzerte

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1Die Hamburger Tradition der Bußtagskonzerte Tradition ist etwas, was sich immer im Fluß befindet, was nur als Veränderung existiert und dennoch eine zusammenhängende Linie erkennen läßt. Kent Nagano1 Die Hamburger Tradition der Bußtagskonzerte mit dem Deutschen Requiem von Johannes Brahms ist deutschlandweit etwas Einmaliges. Im Jahre 2006 bestand sie 100 Jahre. Wenn man Hamburg in diesem Zusammenhang mit anderen deutschen Städten vergleicht, könnte man am ehesten erwarten, dass es in Bremen, der Stadt der Uraufführung, eine ähnliche Tradition gibt. Das ist aber nicht der Fall. Weder erreicht man in Bremen annäherungsweise dieselbe Aufführungszahl noch ist es dort üblich, das Werk traditionell jedes Jahr am selben Tag und am selben Ort aufzuführen.2 Allenfalls gibt es in Dresden andeutungsweise eine ähnliche Tradition wie in Hamburg, allerdings erst seit 1951. Dort führen die Staatskapelle und der Staatsopemchor am Gedenktag an die Zerstörung Dresdens am 13./14. Februar 1945 traditionell ein Requiem oder ein dem Anlass entsprechendes Werk auf, bisher u. a. die Requiems von Verdi, Mozart, Britten, Berlioz und Dvorak. In diesem Rahmen wurde Ein deutsches Requiem von Brahms zwischen 1959 und 2011 zehnmal aufgeführt.3 Hamburg könnte sich also mit seiner Tradition der Bußtagskonzerte schmücken, tut dies aber nicht. 2Die Begründung der Bußtagskonzerte im Jahre 1906 Im Frühjahr 1868 erlebte ich etwas Großes, vielleicht den tiefsten musikalischen Eindruck, den ich je gehabt habe: es war die erste Aufführung des „Deutschen Requiems “ von...

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