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Die Einheit des Johannesprologs

Eine philologische Untersuchung

Konrad Pfuff

In der neutestamentlichen Forschung hat die allgemein wahrgenommene Uneinheitlichkeit des Textes des Johannesprologs zu der communis opinio geführt, dass er aus der Überarbeitung eines vorgegebenen – ansonsten unbekannten – «Logos-Hymnus» entstanden sein müsse. Von dieser Hymnus-Hypothese wird in der vorliegenden Untersuchung abgesehen. Stattdessen wird der überlieferte Text von seinen «Ungereimtheiten» in philologischer Argumentation befreit. Heraus kommt ein Text, in dem Einleitung und Schluss formal und inhaltlich aufeinander zu komponiert und mit dem Mittelteil, den sie formal umschließen, inhaltlich verwoben sind. Die einheitliche Struktur dieses so rekonstruierten Prologs lässt sich sogar in der Struktur des Zeus-Hymnus des Kleanthes wiederfinden, der zugleich als Quelle für die Aussagen über den Logos in der Einleitung des Prologs erkannt wird.

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2. Teil: Herkunft und Bedeutung des Logos - die thematische Einheit

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69 2. Teil Herkunft und Bedeutung des Logos - die thematische Einheit A. Weisheitsliteratur des Alten Testaments Um der Bedeutung des in der frühchristlichen Literatur neuen Begriffs des „Logos“ auf den Grund zu kommen, ist es sinnvoll, seine Herkunft zu kennen. In der ersten Zeile des Prologs wie ein ,T ite l’ vorangestellt, bestimmt er thematisch die ganze Einleitung des Hymnus (Jo 1,1-5), in deren kurzen, statuarischen Sätzen - jede ihrer zehn Zeilen ist ein Hauptsatz! - er allgemeingültig beschrieben wird. Im folgenden Text des Prologs tritt er hingegen konkret als ,das in die Welt gekommene Licht’, als ,der Fleisch gewordene Logos’ und schließlich als ,der einzige Sohn Gottes’ in Erscheinung. - Auf die Frage nach der Herkunft des johannei- schen Logosbegriffs hat man früher eine Reihe möglicher Quellen ausfindig gemacht. Rudolf S c h n a c k e n b u r g fasst diese Quellen in einem eigenen Exkurs innerhalb seines Kommentars zusammen99, versieht aber alle mehr oder weniger mit seinen Zweifeln an ihrer Urheberschaft für den johanneischen Logosbegriff. - Zur Herkunft aus der stoischen Philoso­ phie, die im Logos die der Welt zugrunde liegende geistige Urkraft, die „Weltvernunft“ sieht, stellt Schnackenburg lapidar fest, dass „diese ... Lehre mit dem joh. Logos kaum etwas zu tun hat“ (a.O. 258), ja dass generell „der griechische Geist nicht der Vater des joh. Logosgedankens sein kann“ (a.O. 259). - Für die „Wort-Gottes-Theologie“ der Bibel, die 99 Schnackenburg, Rudolf, Das Johannesevangelium, HThKNT IV...

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