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Die Entstehung der neuhochdeutschen Schriftsprache

2., erweiterte Auflage

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Klaus-Peter Wegera

Die Diskussion um die Entstehung der neuhochdeutschen Schriftsprache begleitet die Germanistik von ihren Anfängen bis in die unmittelbare Gegenwart. Die wesentlichen Fragen, um deren Beantwortung es in der Diskussion geht, sind die nach dem Entstehungsort – der «Wiege» – der neuhochdeutschen Schriftsprache und die nach ihrem möglichen Schöpfer. Eng mit der letzten Frage verbunden ist die nach der Richtung der Entwicklung: «von unten nach oben» also volkssprachlicher Ausgleich als Basis für die Schriftsprache oder schreibsprachlicher Ausgleich und Rückwirkung auf die Mundarten. Das zentrale Problem der Diskussion zeigt sich nach wie vor darin, dass keiner der wichtigeren theoretischen Ansätze a priori völlig absurd erscheint. Jede Theorie enthält wohl einen Teil der Wahrheit: Sowohl Siedlerbewegungen als auch die Bildung, sowohl Luther als auch die Kanzleien und Offizinen, sowohl die Grammatiktheoretiker als auch die Dichtung, sowohl Sprachwertsysteme als auch die sich herausbildende Polyfunktionalität und die allmähliche Herausbildung einer zentralen Zielvarietät spielen eine mehr oder weniger bedeutsame – aber in der Regel noch nicht zufriedenstellend ausgelotete – Rolle.

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Emil A. Gutjahr: Die Anfänge der neuhochdeutschen Schriftsprache vor Luther

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. Streifzüge durch die deutsche Siedlungs-, Rechts- und Sprachgeschichte auf Grund der Urkunden deutscher Sprache. Halle 1910. Kap. I: Zur Geschichte und Methode der For­ schung, 1-11] In der Vorrede zur 2. Auflage der „Denkmäler deutscher Poesie und Prosa aus dem VIII.-XII. Jahrhundert“, herausgegeben von K. Müllenhoff und W. Scherer (1863, 1871), hat K. M ü l l e n h o f f „um nicht hören zu müssen, daß uns die Zeiten vom XIII. Jahrhundert abwärts wenig kümmern“, zuerst auf die Spra­ che in den Urkunden der Lutzenburger als auf eine Sprache hingewiesen, „die ei­ ne Mitte hält zwischen den beiden Mundarten, die sich schon im XIII Jahrhundert in Böhmen begegneten, als dort gleichzeitig der Meißner Heinrich von Freiberg und der Baier Ulrich von Eschenbach dichteten“ und die „von der bairisch­ österreichischen gerade den Bestand der Diphthonge, der ins Neuhochdeutsche übergegangen ist, d. h. ei für i, eu für iu, au für ü und ou“ hat. Daß diese ei, eu, au, das Hauptcharakteristikum der neuhochdeutschen Schriftsprache, sich dann im XIV. und beginnenden XV. Jahrhundert nach Schlesien, der Oberlausitz, dem Voigtlande und nach Meißen verbreiteten, lag nach Müllenhoffs Anschauung an dem Einflüsse der b ö h m i s c h e n H o f - u n d K a n z l e i s p r a ­ c h e . Daß sie aber das wichtigste Kriterium einer sich im XV. Jahrhundert ent­ wickelnden „Reichssprache...

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