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Die Entstehung der neuhochdeutschen Schriftsprache

2., erweiterte Auflage

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Klaus-Peter Wegera

Die Diskussion um die Entstehung der neuhochdeutschen Schriftsprache begleitet die Germanistik von ihren Anfängen bis in die unmittelbare Gegenwart. Die wesentlichen Fragen, um deren Beantwortung es in der Diskussion geht, sind die nach dem Entstehungsort – der «Wiege» – der neuhochdeutschen Schriftsprache und die nach ihrem möglichen Schöpfer. Eng mit der letzten Frage verbunden ist die nach der Richtung der Entwicklung: «von unten nach oben» also volkssprachlicher Ausgleich als Basis für die Schriftsprache oder schreibsprachlicher Ausgleich und Rückwirkung auf die Mundarten. Das zentrale Problem der Diskussion zeigt sich nach wie vor darin, dass keiner der wichtigeren theoretischen Ansätze a priori völlig absurd erscheint. Jede Theorie enthält wohl einen Teil der Wahrheit: Sowohl Siedlerbewegungen als auch die Bildung, sowohl Luther als auch die Kanzleien und Offizinen, sowohl die Grammatiktheoretiker als auch die Dichtung, sowohl Sprachwertsysteme als auch die sich herausbildende Polyfunktionalität und die allmähliche Herausbildung einer zentralen Zielvarietät spielen eine mehr oder weniger bedeutsame – aber in der Regel noch nicht zufriedenstellend ausgelotete – Rolle.

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Theodor Frings: Die Grundlagen des Meißnischen Deutsch

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Theodor Frings Die Grundlagen des Meißnischen Deutsch 1 [aus: Theodor Frings: Sprache und Geschichte III. Halle 1956 (Mitteldeutsche Studi­ en 18), 11-24] Eine bedeutende geschichtliche Leistung der deutschen Stämme ist der Einzug in die Länder östlich von Elbe und Saale, östlich der Elbe-Saale-Linie, wie man zu sagen pflegt. Vom 2. bis 6. Jahrhundert gaben die Germanen ihre östlichen Wohnsitze preis. Die nachrückenden Slaven streben über die Saalelinie, auf die wir insbesondere den Blick richten, sogar in die Herzlandschaften des heutigen Deutschland hinein; bis nach Erfurt, bis an den Thüringer Wald, bis nach Bam­ berg greifen die Spitzen vor. Die deutschen Stämme erscheinen auf einen ver­ hältnismäßig schmalen Streifen zwischen Romanen und Slaven eingeengt. Die Ostbewegung wird nach rund 250 Jahren eingeleitet von Karl dem Gro­ ßen. Vor den Toren Thüringens entsteht die sorbische Mark. 805 erscheinen bei Bamberg, in Erfurt, in Magdeburg Männer in übergräflicher Stellung, die mit der Überwachung des Grenzverkehrs betraut sind. Es sind bedeutsame Punkte; denn in ihnen sind die Ausgangsstellungen der Siedelbewegungen des 12. Jahrhunderts mehr als 300 Jahre vorausgenommen. Das Zeitalter der Ottonen bringt zwei deut­ sche Vorbrüche, einmal im Norden auf der Linie Brandenburg-Oder-Warthe, ein andermal im Süden auf der Linie Meißen-Bautzen. Damit ist den Landen östlich der Elbe-Saale-Linie eine Scheide eingezeichnet, die in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts, unter Kaiser Lothar, endgültig heraustritt in der Festlegung der askanisch-brandenburgischen Nordmark und der wettinischen Mark Meißen im...

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