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Die Entstehung der neuhochdeutschen Schriftsprache

2., erweiterte Auflage

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Edited By Klaus-Peter Wegera

Die Diskussion um die Entstehung der neuhochdeutschen Schriftsprache begleitet die Germanistik von ihren Anfängen bis in die unmittelbare Gegenwart. Die wesentlichen Fragen, um deren Beantwortung es in der Diskussion geht, sind die nach dem Entstehungsort – der «Wiege» – der neuhochdeutschen Schriftsprache und die nach ihrem möglichen Schöpfer. Eng mit der letzten Frage verbunden ist die nach der Richtung der Entwicklung: «von unten nach oben» also volkssprachlicher Ausgleich als Basis für die Schriftsprache oder schreibsprachlicher Ausgleich und Rückwirkung auf die Mundarten. Das zentrale Problem der Diskussion zeigt sich nach wie vor darin, dass keiner der wichtigeren theoretischen Ansätze a priori völlig absurd erscheint. Jede Theorie enthält wohl einen Teil der Wahrheit: Sowohl Siedlerbewegungen als auch die Bildung, sowohl Luther als auch die Kanzleien und Offizinen, sowohl die Grammatiktheoretiker als auch die Dichtung, sowohl Sprachwertsysteme als auch die sich herausbildende Polyfunktionalität und die allmähliche Herausbildung einer zentralen Zielvarietät spielen eine mehr oder weniger bedeutsame – aber in der Regel noch nicht zufriedenstellend ausgelotete – Rolle.

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Emil Skala: Süddeutschland in der Entstehung der deutschen Schriftsprache

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Emil Skala Süddeutschland in der Entstehung der deutschen Schriftsprache [aus: Beiträge zur Geschichte der deutschen Sprache und Literatur (Halle) 92 (1970), 93-110] Die synchronische Analyse wird in den letzten Jahren in der Germanistik voll zu Recht besonders betont, da sie von ganzen Forschergenerationen vernachlässigt wurde. Man denkt dabei meistens an die Synchronie der deutschen Gegenwarts­ sprache. Diese Methode führt auch bei der Analyse der älteren Sprachperioden zu grundlegenden Ergebnissen. Parallel zur Gegenwartssprache wird heute die synchronische Analyse des Frühneuhochdeutschen dringend notwendig. Dabei braucht wohl kaum besonders betont zu werden, daß das Frühneuhochdeutsche zu den bisher am wenigstens untersuchten Epochen der Entwicklung der deut­ schen Sprache gehört. Die Diskussion über die Entstehung der deutschen Schriftsprache ist in Gang gekommen, und so sind vor allem Strukturfragen des Frühneuhochdeutschen ak­ tuell geworden. Auf diesem Weg kann der Fragenkomplex, der mit der Entste­ hung der deutschen Schriftsprache zusammenhängt, zu einem befriedigenden Er­ gebnis führen. Die synchronische Analyse des Frühneuhochdeutschen und der anderen älteren Epochen der deutschen Sprache stößt auf Schwierigkeiten, da in der Entwicklung des Deutschen das Verhältnis zwischen der gesprochenen und der geschriebenen Sprache besonders kompliziert ist. Neue Untersuchungen, die bisher unbekanntes Material aufgearbeitet haben, lassen nicht nur die Rolle Martin Luthers in einem anderen Licht erscheinen; sie zeigen auch immer deutlicher, daß mundartgeographische Vorstellungen, auf das Ostmitteldeutsche, auf das Meißnische oder auf die wettinischen Länder be­ schränkt, heute der Sachlage des neuen Materials und der synchronischen...

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