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Verbale Indirektheiten beim Diskursdolmetschen am Beispiel des Sprachenpaars Polnisch–Deutsch

Agnieszka Will

Was sind verbale Indirektheiten und wie geht die DolmetscherIn mit ihnen um? Auf Grundlage a) theoretisch hergeleiteter Definitionskriterien für eine translationswissenschaftlich/-praktisch orientierte Definition und b) authentischer Daten des Sprachenpaars Polnisch–Deutsch wird eine operationalisierte Definition erarbeitet: die 2-Komponenten-Indirektheit. Zur Überprüfung des Umgangs der DolmetscherIn mit dieser wird, aufgrund der spezifischen Gesprächsstruktur des gedolmetschten Diskurses, ein passendes Kommunikationsmodell hergeleitet: das Kommunikationsmodell der Dolmetschtriade. Die darin integrierte, schrittweise und systematische Bedeutungsbestimmung der Indirektheit sowie Reflexionsmöglichkeit kann die DolmetscherIn zur Qualitätssicherung in der aktuellen Dolmetschsituation nutzen.

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3. Theoretische Grundlagen zur Bestimmung verbaler Indirektheiten: Kontextfaktoren

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„Kontext“ wird hier als die Gesamtheit der Informationen gesehen, die zur Interpre- tation einer verbalen Indirektheit in der aktuellen Situation herangezogen werden können. Um diese „Gesamtheit“ einzugrenzen, werden ausgewählte Kontextmodelle und -konzepte diskutiert, aus denen die für die Zwecke dieser Arbeit am besten geeigneten Faktoren herausgefiltert werden. Mit deren Hilfe sollen die Äußerungen, in denen intuitiv eine verbale Indirektheit festgestellt wurde, auf Auffälligkeiten im Sinne von Gleichmäßigkeiten und Korrelationen analysiert werden. Die Betrachtung des Kontextes ist für die Erfüllung der Zielsetzung dieser Arbeit wesentlich, weil hier davon ausgegangen wird, dass für die Interpretation einer verbalen Indirektheit in einer aktuellen Dolmetschsituation die Kontextinformati- onen dieser Situation herangezogen werden. Folglich bedarf es für eine Definition verbaler Indirektheit der systematischen Untersuchung der Korrelation zwischen dem Phänomen und den Kontextfaktoren. Andernfalls kann die Erfassung und anschließende Erschließung der Bedeutung einer verbalen Indirektheit nur rein intuitiv ablaufen. Zugleich wird durch die Berücksichtigung der individuellen Kontextfaktoren in der Definition vermieden, dass verbale Indirektheiten stereotypisch definiert und in der individuellen Dolmetschsituation stereotypisch interpretiert werden (vgl. Absch. 0.1 und 2.1). 3.1 Die Rolle des Kontextes in der Translationswissenschaft In der Translationswissenschaft, d. h. sowohl in der Übersetzungs- als auch in der Dolmetschwissenschaft, herrscht Konsens darüber, dass Sprache im Kontext in- terpretiert werden muss. (Kontext wird hier zunächst im Sinne von Kontextinfor- mationen verstanden, die zur Interpretation von Äußerungen, hier insbesondere von verbalen Indirektheiten, herangezogen werden können. Eine evtl. Korrelation zwischen...

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