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Die Eickstedt-Sammlung aus Südindien

Differenzierte Wahrnehmungen kolonialer Fotografien und Objekte

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Katja Müller

Das Buch nimmt die Eickstedt-Sammlung aus Südindien zum Ausgangspunkt und verbindet ethnologische Forschung im Museum mit postkolonialer Kritik an der Aneignung von Objekten und Fotografien. Dabei vermittelt die Sammlung als ethnohistorische Quellen ein Bild der Gesellschaft Südindiens in den 1920er-Jahren. Gleichzeitig stellt sich die Frage nach «anderen» Wahrnehmungen: Wer stand mit welcher Intension hinter der Kamera? Und wie interpretiert man die Fotografien und Objekte im heutigen Südindien? Katja Müller stellt verschiedene Narrative aus Indien und Deutschland nebeneinander und macht damit deutlich, welche theoretischen Zusammenhänge und praktischen Machtstrukturen zwischen Objekten, Fotografien und menschlichen Akteuren damals wie heute bestehen.

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Vorwort

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Es gibt nur eine falsche Sicht der Dinge: der Glaube, meine Sicht sei die einzig richtige� (Nagarjuna) Ethnologische Forschung im Museum setzt sich mit Objekten und Sammlungen auseinander� Sie stellt Fragen zur Bedeutung von Objekten, versucht ein Verste- hen ihrer Herkunft, ihrer Verwendungen und ihres Zwecks� Sie stellt Beziehun- gen her zwischen materieller und immaterieller Kultur, vergleicht verschiedene Ausdrucksformen in Raum und Zeit� Sie nimmt Veränderungen und Gemein- samkeiten wahr, zieht induktive Schlüsse und stellt Schemata und Lesarten vor� Forschung im Museum stellt Sinnzusammenhänge zwischen einzelnen Objek- ten her und begreift sie als Träger eines eingeschriebenen Wissens, als Reprä- sentation kultureller Vorstellungen und Techniken sowie als materialisiertes Kulturgut� Gleichzeitig stehen ethnologische Museen und ihre Arbeit massiv in der Kri- tik� Als ‚Konserven des Kolonialismus‘ versinnbildlichen sie koloniale Machtme- chanismen� Große Teile ihrer Sammlungen, oftmals auch ihre Gründung, stehen in einer engen Beziehung zu kolonialen Strukturen, die auf der Basis von Unter- drückung und Ausbeutung fungierten� Oft machten erst diese Strukturen in den Anfängen die Anlage der umfangreichen Objekt- und Fotografiesammlungen möglich� Die Be- und Verwahrung dieser Sammlungen bedeutet somit gleich- zeitig auch die Erhaltung der Zeugen und Folgen dieser kolonialen Verhältnisse� Gleichzeitig werden mit der Neuinszenierung musealer Sammlungen zu selten öffentliche Diskurse verbunden, die diese historischen Konstellationen thema- tisieren und sie damit auch als historisch verorten� Somit lassen sich Parallelen zwischen einem ungleichen Machtverhältnis zu Zeiten des Erwerbs und zu Zei- ten der Interpretationen erkennen, die weiterhin Sprechautort...

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