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Kulturkritik zwischen Deutschland und Frankreich (1890–1933)

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Edited By Olivier Agard and Barbara Beßlich

Kulturkritik ist oft als ein spezifisch deutsches Phänomen beschrieben worden. Seit Sterns Studie über «Kulturpessimismus als politische Gefahr» war das Augenmerk vermehrt auf die Nähe zum Nationalismus gerichtet. Seitdem verblieb die deutsche Kulturkritik im Generalverdacht teleologischer Verbindung zum Nationalsozialismus und wurde oft mit überspannter nationalistischer Ideologie gleichgesetzt. Jedoch lässt sich die Entwicklung der Kulturkritik auch als eine Kontaktgeschichte zwischen den Nationen perspektivieren. Dass Kulturkritik nicht nur ein Produkt nationaler Eigenbrötelei ist, sondern sich diverse kulturkritische Strömungen in Deutschland gerade in der Auseinandersetzung mit französischen Entwicklungen herausgebildet haben, ist der Ausgangspunkt des vorliegenden Bandes.

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4. Kulturkritik und Kulturnationalismus

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Franziska Feger Antikerezeption als kulturkritische Präventionsmaßnahme Julian Apostata im Werk Felix Dahns Die Überzeugung, dass sich „‚Deutsches‘ mit ‚Welschem‘ grundsätzlich nicht vertrage“1, entwickelte der Rechtshistoriker und Schriftsteller Felix Dahn (1834– 1912) bereits im Kindesalter, als er nämlich die für ihn sehr schmerzhafte Erfah- rung des Scheiterns der Ehe seiner Eltern, dem deutschen Schauspieler Friedrich Dahn und Constance Le Gaye, einer Schauspielerin französisch-hugenottischer Abstammung, machen musste.2 Diese früh gewonnene Ansicht behielt er bis zum Ende seines Lebens bei, wenngleich sich die Gründe dafür veränderten, der persönliche Verlust familiärer Geborgenheit hinter die politischen Verhältnisse in Europa zurücktrat: Dahn war ein Vorkämpfer für den Zusammenschluss der Deutschen zu einem deutschen – idealerweise großdeutschen – Reich. Er stellte sein ganzes Streben in den Dienst der Verwirklichung dieses Ziels. Als Wissenschaftler widmete er sich in erster Linie der Erforschung der Geschich- te der Germanen.3 Als Schriftsteller bearbeitete er jene historischen Sujets 1 Kurt Frech, „Felix Dahn. Die Verbreitung völkischen Gedankenguts durch den histori- schen Roman“, in: Uwe Puschner / Walter Schmitz / Justus H. Ulbricht (Hg.), Handbuch zur „Völkischen Bewegung“ 1871–1918, München u. a., Saur 1996, 685–698, 687. 2 Vgl. Felix Dahn: Erinnerungen, Bd. 1: Bis zur Universität (1834–1850), Leipzig, Breit- kopf & Härtel 1890, 287–299. Wie tief Dahn die Scheidung seiner Eltern getrof fen hat, belegen folgende Worte, mit denen er seine daraus resultierenden Empfindungen später beschreibt: „Nachdem die...

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