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Form und Funktion von Fragesätzen in afrikanischen Sprachen

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Bernhard Köhler

Dieses Buch beschäftigt sich mit Fragesätzen in afrikanischen Sprachen, von denen einige bei dieser Satzart im Gegensatz zu anderen Sprachen der Welt nicht die gleichen verbreiteten Merkmale wie etwa eine höhere Intonation, Fragepartikeln oder nach links verschobene W-Wörter aufweisen. Solche Abweichungen werden bei der Theoriebildung nicht beachtet. Das Buch versammelt einschlägige Daten aus mehr als einhundert Sprachen. Faszinierende Phänomene wie Fragetieftöne, nach rechts verschobene W-Wörter, morphologisch reduzierte Fragesätze oder W-Verben werden auf breitem Raum diskutiert. Dieses typologische Nachschlagewerk wendet sich gegen zu einseitig formulierte linguistische Theorien sowie Universalien und hinterfragt somit letztlich die Merkmale von Sprache überhaupt.

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3. Bildungsweisen von W-Fragen inafrikanischen Sprachen

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75 3. Bildungsweisen von W-Fragen in afrikanischen Sprachen Im Gegensatz zu J/N-Fragen, die in Kapitel 4 behandelt werden sollen, zeichnen sich W-Fragen dadurch aus, dass die enthaltene Proposition selbst nicht hinterfragt wird. Mit anderen Worten, ein Sachverhalt wird bereits als gegeben vorausgesetzt (oder präsupponiert), und was der Sprecher noch wis sen will, ist ein zusätzlicher Aspekt zu diesem Sachverhalt. So ist in „wer kocht Reis?“ enthalten: jemand kocht Reis, und aus „was liest er?“ lässt sich schließen: er liest etwas. Hingegen wird bei der J/N-Frage „kocht er Reis?“ zwar auf eine männliche Person (oder allgemeiner ein maskulines Nomen), auf Reis und auf den Vorgang des Kochens referiert. Ob es den vorgeschlage nen Zusammenhang zwischen diesen drei Referenzen wirklich gibt, ist jedoch noch nicht geklärt. Daraus kann eine qualitative Unterscheidung zwischen W-Fragen und J/N-Fragen abgeleitet werden: Erstere bauen auf einem Faktum in der Welt auf, letztere wollen ein solches Faktum im Falle einer Bejahung durch den Hörer erst schaffen beziehungsweise eine falsche Aussage ermitteln. Zur Kennzeichnung dessen, was genau durch die Antwort zu ergänzen ist, bedie- nen sich W-Fragen der so genannten W-Wörter. Diese sind die nahezu unverkennba- ren Marker des nun zu behandelnden Fragesatztyps in den Spra chen der Welt; daher stehen sie im Mittelpunkt des vorliegenden Kapitels, das in der Tat weitgehend auf W-Wörter und ihre semantischen und syntaktischen Eigenschaften beschränkt ist. Somit ist Kapitel 3 weniger weit aufgefächert als Kapitel 4, in dem die nicht so...

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