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Vom Ich erzählen

Identitätsnarrative in der Literatur des 20. Jahrhunderts

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Edited By Heribert Tommek and Christian Steltz

Narrative des Ich und des Selbst sind für die bürgerliche Kultur konstitutiv. Dieser Band beleuchtet, wie das Ich seit Rimbauds Fanal «Je est un autre» destruiert wurde. Nietzsches «Tod Gottes» entthronte das Ich. Ernst Mach erklärte es für «unrettbar», da er es auf seine einzelnen Elemente zurückführte, während Freud das Ich schließlich nach seinen Funktionen im psychischen Apparat zerlegte. Mit der Ich-Auflösung vollzog sich eine fundamentale metaphysische Krise. Die Beiträge zeigen, wie sich diese Auflösung als Katalysator für eine dynamisierte Modernisierung der Künste erwies. Denn paradoxerweise steht die Destruktion des Ich für eine neue, autonome Subjektkonstitution in der Literatur des 20. Jahrhunderts.

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Fremdheitserfahrung und Fremdheitseffekte bei Natascha Wodin und Hélène Cixous (Isabella von Treskow)

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Isabella von Treskow Fremdheitserfahrung und Fremdheitseffekte bei Natascha Wodin und Hélène Cixous Literarische Rezeption bildet seit jeher einen Schwachpunkt der literarischen Analyse, denn in welchem Tempo, in welchen Zeitlängen und -abständen, mit welcher Konzentration, welchen Gedanken, Gefühlen und Assoziationen gelesen wird, ist schwer zu ermitteln. Fragen nach der ästhetischen Wahrnehmung wer- den umschifft, anders als die nach der Produktion und Konstitution von Literatur. Auch im Folgenden wird literarischen Rezeptionsmodi nur insofern nachgegan- gen, als die ästhetischen Verfahren des Wirkpotentials der Produktionsseite im Mittelpunkt der Analyse autofiktionaler Erzähltexte von Natascha Wodin und Hélène Cixous stehen. Die Autorinnen pflegen nur bedingt einen ,einladenden‘ Stil. Vielmehr ,versetzen‘ sie rhetorisch ihre Leserschaft, so dass es hier auch um die Möglichkeiten eines zwiespältigen Umgangs mit den destruktiven Seiten li- terarischer Kommunikation in autofiktionalen Werken geht. Le jour où je n’étais pas là (Der Tag, an dem ich nicht da war), Les rêveries de la femme sauvage (Die Träumereien der wilden Frau), beide aus dem Jahr 2000, und Einmal lebt ich von 1989 wirken auf Geschehens- und auf Diskursebene streckenweise eher ,ausla- dend‘, während sie Spannung erzeugen und aufrechterhalten. Sie stellen so eine Verbindung zwischen dem Sujet der sozialen Ausgrenzung, der Struktur der li- terarischen Kommunikation und deren emotionalen Effekten her. Cixous und Wodin haben Erzähltexte auf dem Grat zwischen Autobiographie und Fiktion verfasst, die von sozialer Benachteiligung, Abweisung und proble- matischer Integration in die jeweiligen Gesellschaften der 1940er und 1950er...

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