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Sozial verantwortete Selbstbestimmung in der Medizin

Ein anerkennungstheoretischer Ansatz selbstbestimmten Handelns

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Felix Krause

Die Arbeit untersucht Autonomie (Selbstbestimmung) als bedeutsame humane Fähigkeit und greift damit ein aktuell viel diskutiertes Thema in Theologie, Philosophie, Medizin und Medizinethik auf. Der Autor analysiert die Geltung, Interpretation, Reichweite und Anwendung von Selbstbestimmung, insbesondere im Kontext von Medizin, und fokussiert dabei die Bedeutung von sozialen Beziehungen und Institutionen für die Entwicklung und Ausübung der Fähigkeit zur Selbstbestimmung. In Anlehnung an Axel Honneths Anerkennungstheorie entwickelt der Autor ein selbstständiges Konzept von Autonomie in Form von sozial verantworteter Selbstbestimmung, das gerechtigkeitstheoretische Implikationen enthält und somit Anfragen an Staat, Gesellschaft und Individuum für die Ermöglichung von Selbstbestimmung des vulnerablen Menschen stellt.

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4. Individualistische versus relationale Autonomie in der Medizin – eine kritische Analyse

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4. Individualistische versus relationale Autonomie in der Medizin – eine kritische Analyse Die Verwendung der Formel „sozial verantwortete Selbstbestimmung“ aus Abschnitt 3.4 deutet bereits an, dass bei der Selbstbestimmungsfähigkeit auch soziale Beziehungen eine Rolle spielen. Die Frage dabei ist, was unter sozialen Beziehungen zu verstehen ist, zu wem diese bestehen und welche exakte Funk- tion ihnen tatsächlich zukommt: Benötigt der Mensch in seinem gesamten Le- ben wirklich immer soziale Beziehungen, um selbstbestimmt zu handeln? Was passiert, wenn der Mensch sich selbstbestimmt gegen die Eingebundenheit in soziale Beziehungen entscheidet? Welchen Einfluss können soziale Beziehungen auf die Selbstbestimmung eines Individuums nehmen? Zählen nur Menschen oder auch Institutionen und Strukturen zu den sozialen Beziehungen, die den Menschen umgeben? In Kapitel 4 werden nun die relationalen Bezüge in den Blick genommen und kritisch diskutiert. Nachdem erste Orientierungen für den Autonomiebegriff in der Medizin ge- legt worden sind (Abschnitt 4.1), geschieht die kritische Diskussion von Autono- mie anhand des individualistischen Autonomie-Verständnisses von Beauchamp und Childress im Bereich der Medizin(ethik) (Abschnitt 4.2). Erste Grundlagen dieses Autonomie-Verständnisses wurden bereits in Kapitel  3 vorgestellt. Eine weitere Differenzierung ist jedoch notwendig, um die einzelnen Ebenen der Kritik hinsichtlich dieses Verständnisses auseinanderzuhalten. Indem zwischen lokaler und globaler sowie prozeduraler und substantieller Autonomie unter- schieden wird, kann das Konzept von Beauchamp und Childress kritisch unter- sucht werden. Dem individualistischen Verständnis von Autonomie steht das Konzept der relationalen Autonomie gegenüber. Die Motivation, Autonomie relational aufzu- fassen, ist zu erläutern...

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