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Der IX. Pädagogische Kongress am Ende der DDR

Heike Kaack

Der IX. Pädagogische Kongress am Ende der DDR zeigt exemplarisch die gewaltigen Anstrengungen, die die SED unternahm, um ihren Führungsanspruch zu sichern. Die Autorin untersucht, wie er die Hoffnungen vieler Bürger auf dringend notwendige Reformen des erstarrten und ideologisch überfrachteten Bildungssystems enttäuschte. Die fehlende Bereitschaft zu einem grundlegenden Kurswechsel beschleunigte nicht nur die Implosion der DDR, sie erschwerte auch die deutsch-deutschen Bildungsverhandlungen im Vorfeld der Wiedervereinigung erheblich. Dieses Buch zeigt, wie die knappe Zeitspanne bis zum 3. Oktober 1990, die unterschiedlichen Erwartungshaltungen sowie die Unerfahrenheit der DDR-Verhandlungsführer die einmalige Gelegenheit verstreichen ließen, den Vereinigungsprozess für eine gesamtdeutsche Bildungsreform zu nutzen.

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7. Das Ende der Sprachlosigkeit

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Scharfe Kritik und konstruktive Reformvorschläge aus der Lehrerschaft Nachdem der Rücktritt Margot Honeckers bekannt geworden war, griffen zu- nächst Wut und Empörung über die entstandene Situation innerhalb der Leh- rerschaft um sich. – „Was ist das für ein Minister, der am 13.10.89 von seinen Lehrern nochmals ‘mehr arbeiten’ fordert und eine Woche später sang- und klanglos abtritt? – Was ist das für ein Minister, der für seinen Rücktritt, gerade jetzt, nur undefinierbare ‘persönliche Gründe’ anführt? – Was ist das für ein Minister, der mit keiner Silbe seine Verantwortung für unsere Situation (vor allem die gesellschaftliche Stellung der Lehrer) eingesteht? – Was ist das für ein Minister, der kein Wort der Erwiderung für die Leute hat, die uns Lehrern an allem die Schuld geben? – Was ist das für ein Minister, der zur vielgepriesenen Wende nichts weiter tun kann, als zu gehen? – Was ist das für ein Minister und was für ein Ministerium, die keine Fehler einge- stehen können und die ganze Verantwortung auf die untere Ebene (also zu uns) ab- schieben? […]“ Mit diesen Sätzen machten die Pädagogen der 35. POS Dresden ihrem Ärger Luft.472 So wie sie empfanden offenbar viele. „Das Kollegium unserer Schule ist der Meinung, daß das sang- und klanglose Verschwinden unseres Volksbildungsministers zu den beschämendsten Kapiteln unseres politischen Lebens gehört“, schrieb die Geschwister-Scholl-Oberschule in Bernsdorf am 15.11.1989 an das MfV.473 Bereits zwei Tage zuvor hatten sich die beiden...

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