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Luthers Lehre

Doctrina Christiana zwischen Methodus Religionis und Gloria Dei

Wichmann von Meding

Zwanzig Autoren haben seit 1862 in ihren Arbeiten und Studien Luthers Lehre geschildert und kamen zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen. Dieses auf zwei Teile angesetzte Werk untersucht nun erstmals, wie Luther selbst Theologie entfaltet wissen wollte. Dazu nutzt der Autor keine neue Methode. Eine, die sich bei Germanisten und Exegeten bewährt hat, stößt auf Luthers Denken in Verben und gibt von daher einem der sechs bisherigen Ansätze recht. Das trotzdem überraschende Konzept führt in große Eindeutigkeit gerade wegen Luthers bekannter Differenzierungskunst: Gott wertet menschliche Werte um.
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2. Sechs Konzepte der Theologie Luthers

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Der Wittenberger gilt als „unverfängliche Person der [belasteten] deutschen Geschichte", die das Bild der Bundesrepublik in Europa polieren könne. Diesem politischen Schöntun dient auch die Kirchenorganisation. Ein 1995 von ihr verbreiteter touristischer Kalender stellte ihn zwischen allerlei Gaudis, neben „die Walpurgisnacht auf der Leuchtenburg bei Jena, den Blumen- und Töpfermarkt in Leipzig sowie dem Bienenmarkt in Weimar“1. So verdrängt sie den, in dessen Lehre Deutschland sich sehr verfing. Schon 1520 sollte er, bannbedroht, unterm Rasen gelegen haben, lachte aber: „Ich kann noch wohl, Gott Lob, übers Gras laufen“2. Quicklebendig war er ein schwieriger Fall für ganz Europa, zieh Personen der Geschichte, Christen verführt zu haben, warf Politikern vor, ihr gottgegebenes Amt zu versäumen, monierte ärgerlich eindeutig, Kirche sage nicht, was sie zu glauben vorgibt. Er war radikal, kündete von der Wurzel menschlicher Existenz. Baur spricht von seiner extremen Lehre, einer „das Äußerste – Gott und Satan, Himmel und Hölle, Gnade und Zorn, Gerechtigkeit und Sünde, Tod und Leben, Gesetz und Verheißung – aussagende[n] Theologie“3. Nichts hat die kirchlich unterdrückte mit kirchlich geförderten events gemein.

Er lockte nicht in Konsum. Er schaute zusammen und unterschied. Er rügte Abkehr vom Wort Gottes, zugleich jedes „Zusammenwirken der Geschöpfe mit dem Schöpfer“4. Solche Vorwürfe hatte Wittenberg schon 1528 satt. Sie blieben sperrig, auch nach Luthers Zeit. Er konfrontiert jede mit dem Fundamentalen, es erläuternd, Irrtümer aufweisend....

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