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Religion – Macht – Freiheit

Deutsches Neuland: Eine Zwischenbilanz

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Edited By Thomas Brose

Zwar schreitet die Säkularisierung in Europa voran, aber der Prozess einer Re-Spiritualisierung gewinnt an Fahrt. Fragen, die unsere Gesellschaft unabhängig von konfessionellen Bindungen bewegen, lauten: Worauf können wir uns verlassen? Was sind Werte, die wirklich zählen? Braucht Europa das Christentum? Aber auch: Welche Gefahren birgt Religion in sich? Können moderne Menschen mit guten Gründen glauben?
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Illiberal war Deutschland oft genug

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Richard Schröder

Am 8. Mai, der in der DDR als „Tag der Befreiung“ begangen wurde, sind im Jahr 2013 am Treptower Ehrenmal der sowjetischen Streitkräfte ehemalige Angehörige des Wachregiments „Felix Dscherschinski“ in Uniformen der Volksarmee (NVA) und mit (Theater-) Kalaschnikows angetreten. Das Wachregiment unterstand seinerzeit dem Ministerium für Staatssicherheit.

Hubertus Knabe, wissenschaftlicher Direktor der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, des ehemaligen Stasi-Gefängnisses, hat daraufhin erneut verlangt, das öffentliche Zeigen von SED-Symbolen genauso unter Strafe zu stellen wie das Zeigen von NS-Symbolen. Andernfalls würde man mit zweierlei Maß messen. In anderen ehemals sozialistischen Ländern (Lettland, Tschechien, Ungarn) sei das Zeigen kommunistischer Symbole längst unter Strafe gestellt. Auch die Schauspieler, die am Brandenburger Tor und am Checkpoint Charlie für fotografierende Touristen neben alliierten auch DDR-Uniformen zeigen, verletzten die Gefühle der Opfer der SED-Diktatur, sagt er. Seine Forderung wird von der Jungen Union, anderen Politikern und einigen Kommentatoren unterstützt.

Joachim Gauck, unser jetziger Bundespräsident, hat erzählt, dass er in den 90er Jahren bei seiner ersten USA-Reise vor dem Holocaust-Museum in Washington amerikanische Rechtsextreme Flugblätter verteilen sah, die den Holocaust leugneten. Er hat seine amerikanischen Begleiter gefragt, warum so etwas nicht verboten wird und die Antwort bekommen: die Meinungsfreiheit ist für uns ein so hohes Gut, dass wir dieses Ärgernis ertragen. Und in der Tat ist das Maß der Meinungsfreiheit immer die Freiheit zur unangepassten, anstößigen, womöglich gar empörenden...

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