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Vorträge und Aufsätze zur lateinischen Literatur der Antike und des Mittelalters

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Jürgen Blänsdorf

Der Band vereinigt die zwischen 2000 und 2014 entstandenen Untersuchungen zur lateinischen Literatur der Antike und des Mittelalters: Komödie und Epos, Philosophie und Geschichtsschreibung. Weitere Themen sind außerdem die Methoden der Textinterpretation, Metrik, römische Philosophie, Staatstheorie, Geschichte, Religion und Fachschriftsteller. Das Buch wendet sich an Interessenten in Universität und Gymnasien und weitere Leserkreise. Öffentliche Diskussionen über den Wert des Lateins berücksichtigen oft nur die Mühen des Spracherwerbs. Hier stehen Literatur und Geistesgeschichte im Vordergrund.
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Cicero erklärt dem Volk die Agrarpolitik

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(de lege agraria II)1

I.

Texte der späten römischen Republik, die die damalige Gegenwart oder die jüngste Vergangenheit zum Thema haben, zeichnen sich durch illusionslose Analysen der politischen und moralischen Krise aus, die den Bestand des nach außen kaum noch angefochtenen Imperium Romanum in naher Zukunft von innen her schwer zu gefährden drohte. Hierbei braucht man nicht nur an Sallusts drei Geschichtswerke, besonders das düstere Proömium der Historien, und Ciceros Reden seit der sullanischen Zeit und seine staatsphilosophischen Werke, erst recht seine Lageberichte aus den 50er Jahren und dem Bürgerkrieg zu denken: auch die Dichter, Catull wie Lukrez, und im Rückblick auf die Bürgerkriege Vergil und Horaz und der Gelehrte und kauzige Moralist M. Terentius Varro stimmten in die Klage ein. – Cicero ist jedoch der Zeitzeuge, der am längsten die Ereignisse als Akteur, Betroffener und Leidender miterlebte – vom Beginn des Bundesgenossenkrieges bis zum Kampf um Caesars Erbe – und der sie als Redner und Schriftsteller fast vier Jahrzehnte lang literarisch kommentierte. Seine flammenden Proteste gegen Sullas Nutznießer, gegen Verres, Catilina und M. Antonius und ihre offenen und geheimen Bundesgenossen, sind bekannt genug; weniger bekannt sind die drei Reden De lege agraria, die Cicero am Anfang des Jahres 63 v. Chr., in den ersten Tagen seines Konsulats hielt; gerade hier sagt er offen und ausdrücklich, dass der Staat in einer bedrohlichen Krise war (II 8): es herrschten Unruhe und Angst; Putschpläne...

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