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Vorträge und Aufsätze zur lateinischen Literatur der Antike und des Mittelalters

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Jürgen Blänsdorf

Der Band vereinigt die zwischen 2000 und 2014 entstandenen Untersuchungen zur lateinischen Literatur der Antike und des Mittelalters: Komödie und Epos, Philosophie und Geschichtsschreibung. Weitere Themen sind außerdem die Methoden der Textinterpretation, Metrik, römische Philosophie, Staatstheorie, Geschichte, Religion und Fachschriftsteller. Das Buch wendet sich an Interessenten in Universität und Gymnasien und weitere Leserkreise. Öffentliche Diskussionen über den Wert des Lateins berücksichtigen oft nur die Mühen des Spracherwerbs. Hier stehen Literatur und Geistesgeschichte im Vordergrund.
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Erzähltechnik und psychologische Darstellungskunst in Ovids ‘Metamorphosen’

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am Beispiel der Atalanta-Sage ( met. X, 560-709) – mit Ausblicken auf die neuere Erzählforschung1

Zunächst eine Vorbemerkung zur Poetologie! Für mein Vorhaben, eine Theorie vorzustellen und sie auf einen nicht unbekannten Text anzuwenden, sehe ich folgende zwei kritischen Einwände voraus: die Theorie müsste viel grundlegender und differenzierter entwickelt werden, und Untersuchungen zur Erzähltechnik Ovids habe es immer schon gegeben. Mein Vorhaben ist, eine bereits hochentwickelte Theorie auf die philologische Praxis anzuwenden und Beobachtungen zur Erzählkunst umfassender anzustellen, als es bisher geschah.

I. Werkkonzeption und Wirkung

Nach den Hirtengedichten Vergils, seinem Lehrgedicht und dem Aeneaden-Epos, nach den lyrischen Gedichten, Satiren und poetischen Episteln des Horaz und den Elegien des Tibull und Properz musste der jüngste der großen augusteischen Dichter neue poetische Wege gehen. Mit den Metamorphosen wandte er sich der von Kallimachos, dem Vorbild der Augusteer, abgelehnten Großform zu, ohne jedoch in der Stilkunst dem Kallimacheertum untreu zu werden. Doch muss ihm die Schwierigkeit bewusst gewesen sein, mit der Erzählung von über 200 Sagen, von denen er freilich nur etwas über 50 ausführlich erzählte, mit fast 12.000 Versen, die auf 15 Bücher auf den ersten Blick eher aufgeteilt als wie die Aeneis evident gegliedert sind, die Aufmerksamkeit des Lesers wachzuhalten. Die künstlerische Einheit des Ganzen wird nicht durch eine im aristotelischen Sinne einheitliche Handlung oder gar einen Haupthelden geschaffen – das lässt sich nur für begrenzte Komplexe erkennen,...

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