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Vorträge und Aufsätze zur lateinischen Literatur der Antike und des Mittelalters

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Jürgen Blänsdorf

Der Band vereinigt die zwischen 2000 und 2014 entstandenen Untersuchungen zur lateinischen Literatur der Antike und des Mittelalters: Komödie und Epos, Philosophie und Geschichtsschreibung. Weitere Themen sind außerdem die Methoden der Textinterpretation, Metrik, römische Philosophie, Staatstheorie, Geschichte, Religion und Fachschriftsteller. Das Buch wendet sich an Interessenten in Universität und Gymnasien und weitere Leserkreise. Öffentliche Diskussionen über den Wert des Lateins berücksichtigen oft nur die Mühen des Spracherwerbs. Hier stehen Literatur und Geistesgeschichte im Vordergrund.
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Schwierigkeiten mit dem Glück

I.

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(Seneca, Epistulae morales 23, 60 und 74)1

Εὐδαιμονία, vita beata, Glück ist durchaus nicht nur ein Kardinalthema der antiken Philosophie oder aller Philosophie schlechthin und ansonsten der Irrationalität privaten Glücksverlangens überlassen. Aus einer Glosse der Frankfurter Allgemeinen Zeitung am 30. Dezember 2002 konnte man erfahren, dass sich Bücher zum Thema Glück sehr gut auf den Bestsellerlisten der Sachbuchliteratur (!) behaupten können. Zu Recht konstatiert der Artikel diese erstaunliche Wiederbelebung eines anthropologischen Interesses. Insbesondere Stefan KLEINs “Die Glücksformel. Oder wie die guten Gefühle entstehen” (Hamburg 2002) war in jenem Jahr zum Bestseller geworden, und im Wintersemester 2002/03 veranstaltete das Studium Generale der Johannes Gutenberg-Universität Mainz eine sehr reich besuchte Ringvorlesung zu diesem Thema.

Glück scheint uns ein so selbstverständlicher Wert, dass wir zwar bereit sind, zuzugestehen, dass es oft schwer zu erreichen ist, aber nicht, dass wir Schwierigkeiten im Umgang mit dem Glück selbst haben könnten. Jedoch sobald wir versuchen, unser Verständnis von Glück etwas genauer zu fassen, beginnen die Probleme, Einigkeit über die von verschiedenen Menschen geäußerten Glücksvorstellungen zu erzielen. Schon Aristoteles empfand die Differenzen des individuellen Glücksbegriffs als Problem der Philosophie.2 Ganz davon abgesehen, ob wir Glück mehr materiell oder mehr geistig begreifen: ist Glück denn die Freude über das Besitzen eines Gutes oder über das Gelingen eines Wunsches oder Vorhabens, also das oft auch unverhoffte Glücken, oder ist es ein das...

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