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Vorträge und Aufsätze zur lateinischen Literatur der Antike und des Mittelalters

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Jürgen Blänsdorf

Der Band vereinigt die zwischen 2000 und 2014 entstandenen Untersuchungen zur lateinischen Literatur der Antike und des Mittelalters: Komödie und Epos, Philosophie und Geschichtsschreibung. Weitere Themen sind außerdem die Methoden der Textinterpretation, Metrik, römische Philosophie, Staatstheorie, Geschichte, Religion und Fachschriftsteller. Das Buch wendet sich an Interessenten in Universität und Gymnasien und weitere Leserkreise. Öffentliche Diskussionen über den Wert des Lateins berücksichtigen oft nur die Mühen des Spracherwerbs. Hier stehen Literatur und Geistesgeschichte im Vordergrund.
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Der Ruodlieb

I. Die exemplarisch-lehrhafte Absicht des Ruodlieb

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– ein mittelalterliches Stände- und Wertepanorama –

Die engen Bindungen des mittelalterlichen Menschen an seine durch Herkunft mitgegebene soziale Stellung und die damit verbundenen moralischen Wertvorstellungen und die allen Ständen gemeinsamen Glaubensüberzeugungen finden in weiten Teilen der mittelalterlichen Literatur ihren Niederschlag, insbesondere in der Dichtung, die anders als die heutige Belletristik immer auch lehrhaften Charakter besitzt. Sie benennt deshalb viele soziale Verhaltensweisen und Wertvorstellungen ausdrücklich, lehrt sie einzuhalten und weiß in Fällen der Verfehlung die fürchterlichen Folgen blumig auszumalen. Natürlich findet auch schon im Hoch- und v.a. im Spätmittelalter die direkt oder satirisch belehrende Literatur ihr Gegenstück im frivolen Schwank, in dem der Bösewicht, der Unmoralische, der Lüstling über den nun als tumb dargestellten Braven triumphiert. Ich beziehe mich hier auf die von M. LEMMER 1977 herausgegebenen 34 Kleinerzählungen aus den drei Jahrhunderten zwischen 1180 und 1480, die die Welt des Rittertums, aber auch die der Bauern und armen Leute schildern und daher eine zwar reiche Quelle für die Kultur dieser Epoche sind und immer wieder die Ideale des Rittertums beschwören. Aber oft genug ist gerade das hymnische Lob für den tugendreichen Ritter das Signal für dessen baldige Entlarvung und öffentliche Blamage.

Um wahres Rittertum und dessen Bewährung in Gefahr und moralischer Anfechtung geht es auch in dem Kurzepos, das ein unbekannter, vermutlich geistlicher Verfasser in Süddeutschland, vielleicht im Kloster Tegernsee, zwischen 1050 und 1070 verfasste und das...

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