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700 Jahre Boccaccio

Traditionslinien vom Trecento bis in die Moderne

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C. Bertelsmeier-Kierst and Rainer Stillers

In diesem Band werden neue Ergebnisse vorgestellt, die anlässlich des 700. Geburtstages Giovanni Boccaccios 2013 im interdisziplinären Dialog zwischen Literaturwissenschaftlern, Historikern, Sozial- und Medienwissenschaftlern in Marburg ausgetauscht wurden. Vor allem sein Hauptwerk in Volgare, das Decameron (Zehntagewerk, eine geistreiche Anspielung auf das Hexameron, das Sechstagewerk der Schöpfungsgeschichte), hat die Literatur und Kunst Europas nachhaltig beeinflusst. Geprägt von zwei Kulturen, dem kommunalen Leben der Republik Florenz und der französischen Hofkultur Neapels, gelingt es Boccaccio, zuvor getrennte Welten, antike Philosophie und höfische Liebe, lateinische und volkssprachliche Diskurse zusammenzuführen.
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Boccaccios ‘Decameron’ – Versuch einer Annäherung

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I.Boccaccio – ein europäischer Dichter

Giovanni Boccaccio, einer der Wegbereiter des italienischen Frühhumanismus, hat eine immense Wirkungsgeschichte in der europäischen Literatur erfahren. Sowohl seine lateinischen Schriften als auch sein Hauptwerk in Volgare, das ‚Decameron‘, wurden seit dem ausgehenden 14. Jahrhundert immer wieder übersetzt und bearbeitet. Die große Resonanz, die Boccaccio über sprachliche und kulturelle Grenzen hinweg jahrhundertelang erfahren hat, scheint seinen Grund darin zu haben, dass Boccaccio – vielleicht mehr als andere – einen ausgesprochen „europäischen Blick“1 hatte.

1313 wurde er in dem nahe bei Florenz gelegenen Certaldo geboren. Als außerehelicher, später aber legitimierter Sohn des Boccaccino de Chelino, eines reichen Florentiner Kaufmanns, wuchs Giovanni ohne wirtschaftliche Nöte in der Arnostadt auf. Mit 14 Jahren ging er zusammen mit seinem Vater, der Generalvertreter des mächtigen Bank- und Wirtschaftsunternehmen Bardi war, nach Neapel, wo er zunächst auf Wunsch des Vaters eine kaufmännische Ausbildung begann, die er jedoch alsbald mit dem Studium beider Rechte vertauschte. Weder Zahlen noch Paragraphen entsprachen Giovannis wahren Neigungen, denn schon früh fühlte er sich zur Poesie und Philosophie hingezogen.2 Die Stellung des Vaters, der Finanzberater und Vertrauter Roberts I. von Neapel wurde, verschaffte dem Sohn Zutritt zum Hof des Anjou, der damals zu den glanzvollsten und mächtigsten Herrschern Europas gehörte. ← 65 | 66 →

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