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700 Jahre Boccaccio

Traditionslinien vom Trecento bis in die Moderne

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Edited By C. Bertelsmeier-Kierst and Rainer Stillers

In diesem Band werden neue Ergebnisse vorgestellt, die anlässlich des 700. Geburtstages Giovanni Boccaccios 2013 im interdisziplinären Dialog zwischen Literaturwissenschaftlern, Historikern, Sozial- und Medienwissenschaftlern in Marburg ausgetauscht wurden. Vor allem sein Hauptwerk in Volgare, das Decameron (Zehntagewerk, eine geistreiche Anspielung auf das Hexameron, das Sechstagewerk der Schöpfungsgeschichte), hat die Literatur und Kunst Europas nachhaltig beeinflusst. Geprägt von zwei Kulturen, dem kommunalen Leben der Republik Florenz und der französischen Hofkultur Neapels, gelingt es Boccaccio, zuvor getrennte Welten, antike Philosophie und höfische Liebe, lateinische und volkssprachliche Diskurse zusammenzuführen.
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Stoische Philosophin – christliche Dulderin – brave Gattin. Die europäischen Metamorphosen von Boccaccios Griselda

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Mario Zanucchi

Stoische Philosophin – christliche Dulderin – brave Gattin

Die europäischen Metamorphosen von Boccaccios Griselda

I.Einleitung

Giovanni Boccaccio repräsentiert einen “Mittler zwischen Mittelalter und Neuzeit”1 auch im Hinblick auf sein Bild der Frau. Er ist einer der ersten Dichter, welche die Frau literarisch rehabilitieren. So beschreibt in seiner ‘Elegia di Madonna Fiammetta’ (1340–1345) die junge Fiammetta selbst in der ersten Person die eigene Leidenschaft für den Florentiner Kaufmann Panfilo. Das ‘De Mulieribus claris’ (1361–1362), welches 106 Frauenporträts enthält, ist das erste Opus über berühmte Frauen nach all den prosopographischen Werken, die hingegen berühmten Männern gewidmet waren. Boccaccios Philogynie tritt im ‘Decameron’ (1349–1351) umso deutlicher zu Tage. Bereits die Wahl der Volkssprache verrät, dass Boccaccio sich nicht an ein lateinkundiges Publikum von Gelehrten richtet, sondern vornehmlich an die nur des volgare mächtigen Frauen. Im ‘Proömium’ dediziert der Autor seine Novellensammlung ausdrücklich den vaghe donne2. Dort schildert er auch die unterdrückte Lage von jungen Frauen des 14. Jahrhunderts, die eine bevormundete Existenz führen und die meiste Zeit unter Hausarrest verbringen müssen:

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