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Askese als Verhaltensrevolte

Konstanze Caysa

Das Buch stellt eine umfassende Philosophie der Askese dar und befasst sich mit dem Problem der Autoevolution des Menschen. Zugleich enthält es eine Philosophie der Stimmungen und Gefühle. Askese galt einst als Ausstiegsstrategie der Protestanten aus dem Katholizismus. Heute steht sie für eine perfekte Anpassung an den digitalen Kapitalismus, für Geschwindigkeit, Innovation, Flexibilität. Asketen gelten als apollinische Karrieristen, die mit ihrer ständigen Verfügbarkeit den Sozialstaat abschaffen wollen. Der Mensch ist ein Askesewesen, dessen Begierde durch die Sublimierung dionysischer Energie gehemmt wird. De facto ist die heutige Askese eine Art der Verhaltensrevolte gegenüber dem modernen Konsumismus, die auf einer modernen «Ökonomie des Heils» und einer «Ökonomie des Gehorsams» basiert.
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5. Die neue Wertsetzung der Autoevolution

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5. Die neue Wertsetzung der Autoevolution

Der Wille und das Können zur Selbstgestaltung im Sinne von Selbstregierung ist das Prinzip einer neuen Wertsetzung in Bezug auf das Mensch-Sein. Diese Wertsetzung ist Bedingung der Möglichkeit eines bejahenswerten Lebens, Bedingung dafür, dass das Leben „Leben“ wird. Leben wird hier nicht reduziert auf den Kampf um Selbsterhaltung, auf den Kampf um das Dasein, sondern besteht in der Steigerung seiner selbst. Für die letzten Menschen, die auf Selbsterhaltung fixiert sind gilt: Jedes Leben, das ich überlebe, ist mein Überleben. Leben ist für sie Überstehen. Für den ersten Menschen, den Übermenschen, dem es um Selbststeigerung geht gilt: Mein Leben, das ich autonom und wiederholbar lebe, ist das Über-Leben. Leben ist für ihn Überschreiten.

Der letzte Mensch will möglichst lange überleben und verwechselt das möglichst lange (Weiter-)Leben mit dem Über-leben. Das bloße Leben ist für ihn schon Leben. Das lange Leben ist für ihn ein an sich schützenswertes Gut. Für ihn wird irgendwann zum Problem, wie lange er sich sein Überleben als bloßes Weiterleben noch leisten kann.

Der erste Mensch will möglichst intensiv Leben. Für ihn gehört das selbstbestimmte Nicht-Weiter-Leben-Wollen zum Über-Leben. Das bloße Leben ist für ihn noch kein Leben. Ein bloßes Weiter-Leben-Wollen will er sich nicht leisten. Für ihn ist es nicht nötig, so lange wie möglich zu leben, sondern...

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