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Askese als Verhaltensrevolte

Konstanze Caysa

Das Buch stellt eine umfassende Philosophie der Askese dar und befasst sich mit dem Problem der Autoevolution des Menschen. Zugleich enthält es eine Philosophie der Stimmungen und Gefühle. Askese galt einst als Ausstiegsstrategie der Protestanten aus dem Katholizismus. Heute steht sie für eine perfekte Anpassung an den digitalen Kapitalismus, für Geschwindigkeit, Innovation, Flexibilität. Asketen gelten als apollinische Karrieristen, die mit ihrer ständigen Verfügbarkeit den Sozialstaat abschaffen wollen. Der Mensch ist ein Askesewesen, dessen Begierde durch die Sublimierung dionysischer Energie gehemmt wird. De facto ist die heutige Askese eine Art der Verhaltensrevolte gegenüber dem modernen Konsumismus, die auf einer modernen «Ökonomie des Heils» und einer «Ökonomie des Gehorsams» basiert.
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7. Das ästhetische Medium der Autoevolution – Zeugung im Schönen

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7. Das ästhetische Medium der Autoevolution – Zeugung im Schönen

Es gehört zu den Paradoxien der modernen technologischen Gesellschaft, dass gerade dem Körper eine zentrale Aufmerksamkeit geschenkt wird. Während die virtuelle Revolution eine körperliche Präsenz anscheinend unnötig macht, sodass etliche Beobachter gar der Ansicht sind, die virtuelle Gesellschaft entwickle sich in Richtung auf eine zunehmende Immaterialität, gleichzeitig nimmt aber das Interesse am Körper zu. Dies kommt nicht nur in der wachsenden Zahl von Menschen zum Ausdruck, die sich intensiv um die Verschönerung ihres Körpers bemühen, sondern auch in der wachsenden Pluralität von Körperpraktiken, -moden und -diskursen: in den Phänomenen der Ästhetisierung, Erotisierung und Brutalisierung des Körpers, in Gymnastik-, Fitness- und Wellnesskult, in Körpertherapien, in den Bewegungs- und Darstellungskünsten, in denen der Körper theatralisiert wird, in der großstädtischen Jugend- und Asphaltkultur, in der körperbezogenen Konsumkultur und im Bereich körperbezogener Dienstleistungen, wie „Schönheitsfarmen“ und plastischer Chirurgie, aber auch in der wissenschaftlichen Beschäftigung mit dem Körper, in Ausstellungen und Museen.

Die Fähigkeit, sein Leben visuell unter Kontrolle zu halten, scheint zu einer der wichtigsten Aufgaben und dominierenden Haltung im Internetzeitalter geworden zu sein. Nicht die „Seele“, der unsichtbare innere Kern der Person, garantiert die (imaginäre) Einheit und den Wert des Subjekts, sondern der sichtbare Körper. Sein Aussehen wird als ästhetisches Gebrauchswertversprechen für Gesundheit und Leistungsfähigkeit, Belastbarkeit...

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