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Der bekannte Fremde

Der Vampir in der Literatur des 19. Jahrhunderts

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Oliver Hepp

Seit ihrer Verschriftlichung im 18. Jahrhundert wird die Figur des Vampirs als fremdartig beschrieben. Ihre dauerhafte Ästhetisierung – von Goethes Die Braut von Corinth bis Bram Stokers Dracula – verhalf der Figur zu einer beispiellosen Karriere, die bei genauerer Betrachtung zwei Dinge offenlegt: So fremd, wie Geschichte und Kunst sie darstellen, ist die Vampirfigur nicht. Anhand theoretischer Ansätze von Giorgio Agamben, Hans Richard Brittnacher und Homi Bhabha arbeitet der Autor den Vampir als bekannten Fremden und somit als Teil des Eigenen heraus.
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3. „(…) so sie Vampyri nennen“ – Zwei Dörfer, ihre Geschichten und der Beginn einer wissenschaftlichen Debatte

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3. „(…) so sie Vampyri nennen“103 – Zwei Dörfer, ihre Geschichten und der Beginn einer wissenschaftlichen Debatte

In erster Linie ist der Vampir ein Kind des deutschsprachigen Kulturraumes (…).104

Mit den nun in der Folge untersuchten Fällen aus den Jahren 1725 und 1732 erhebe ich keinesfalls den Anspruch, die ersten Geschichten über wandelnde Tote aufzugreifen und zu interpretieren. Schon in Chroniken des 16. Jahrhunderts lassen sich ebenfalls Texte rekapitulieren, in denen scheinbar Untote die feststehende Grenze zwischen Leben und Tod verwischen. Anfang des 18. Jahrhunderts existiert bereits ein Fall, bei dem ein lebender Verstorbener nach seiner Beerdigung zurückkehrt und angeblich seine Frau postmortal schwängert.105 Die Akten Plogojowiz und Paole formulieren in meiner Anordnung infolgedessen keine Forderung darauf, die ersten Geschichten zu sein, die Phänomene von lebenden Leichen beschreiben, die angeblich aus Gräbern entsteigen. Allerdings initiieren und prägen eben jene beiden Darstellungen den schriftlichen Weg des Vampirs ins Zentrum Europas. Aus der Art und Weise, wie der Vampir hier gezeigt wird, aus der Struktur der Argumentation, aus der Art, wie hier Wissen produziert ← 53 | 54 → wird, speisen sich bis in die Gegenwart hinein zudem literarische Vampirerzählungen des sogenannten Kanons.106

Bevor Vampire in Serbien zum ersten Mal ihre Gräber verlassen und damit die Wissenschaft ihrer Zeit bedeutend beeinflussen, gilt es kurz die Entstehung des Wortes bzw. des Begriffes „Vampir“ zu reflektieren, um eine hybride Konstruktion der Figur auch von ihrer Etymologie her aufzuzeigen. Die inhaltlichen Elemente setzen sich...

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