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Lampenfieber und Angst bei ausübenden Musikern

Kritische Übersicht über die Forschung. Zweite, überarbeitete Auflage

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Ein Bühnenauftritt verlangt vom Musiker Konzentration und schöpferische Kraft statt Aufregung und Angst. Ist die optimale Konzerterfahrung eine Schimäre? Weder für Lampenfieber noch für Aufführungsangst existiert eine einheitliche Definition. Das Ergebnis ist ein Bündel von Symptombeschreibungen und Erklärungsversuchen, differierenden theoretischen Ansätzen und experimentellen Methoden. Dieser Literaturbericht umfaßt Erkenntnisse aus der Angstforschung, Sportpsychologie und klinischen Psychologie. Diese werden unter Einbeziehung der Besonderheiten des Musizierens betrachtet. Durch eine geordnete Übersicht wird Auskunft über den gegenwärtigen Wissensstand geboten. Die kritische Beurteilung der bisherigen Untersuchungen schließt Empfehlungen für die zukünftige Forschung ein.
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IV. Symptome und beitragende Faktoren nach der „Drei-Komponenten-Theorie“

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IV.   Symptome und beitragende Faktoren nach der „Drei-Komponenten-Theorie“

Ein Eckpfeiler der wissenschaftlichen Betrachtung von Lampenfieber ist die „Drei-Komponenten-Theorie“ nach Peter Lang, auch das „Drei Faktoren Modell“ genannt. In seinen Recherchen zum Thema „fear“ identifizierte Lang drei teilweise unabhängige Reaktions- bzw. Verhaltenssysteme55: das somatische, verbal/kognitive und explizit motorische System.56,57 Durch die Übertragung auf die Analyse der Aufführungsangst sind drei Kategorien von Reizantworten entstanden: „physiological, cognitive, and behavioral“.58,59 Diese in der Literatur übliche dreiteilige Gliederung für die verschiedensten Auswirkungen des Lampenfiebers in die 1. physiologische, die 2. kognitive und die 3. Verhaltenskomponente wurde hier übernommen. Wie die folgenden Abschnitte zeigen werden, ist diese Einteilung nur ein organisatorisches Hilfsmittel. Nicht immer gelingt es, ein Symptom nur einer Kategorie zuzuordnen, häufig sind die Grenzen fließend.

Es gibt in der Hirnforschung durch die aktuelle Untersuchung des Mandelkerns60,61 (auch Corpus amygdaloideum oder „Amygdala“) sowie durch die neu aufgestellten Theorien der „emotionalen Intelligenz“62 veränderte Ansatzpunkte zur Erklärung von Prozessen, bei denen Gedanken Emotionen auslösen und Gefühle – vor allem Ängste – zu Erinnerungen verarbeitet und gespeichert werden. ← 31 | 32 →

Auf der Basis dieser neuen Überlegungen werden gegenwärtig Experimente unternommen, um weitere neurowissenschaftliche Erkenntnisse über den neuralen Schaltkreis der Emotionen zu gewinnen. Diese könnten Aufschluß sowohl über die somatischen Reaktionen als auch die Prozesse des Lernens und des Gedächtnisses bringen. Womöglich werden zukünftig dabei Schlüssel entdeckt, die mehr zum Verst...

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