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Die Eickstedt-Sammlung aus Südindien

Differenzierte Wahrnehmungen kolonialer Fotografien und Objekte

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Katja Müller

Das Buch nimmt die Eickstedt-Sammlung aus Südindien zum Ausgangspunkt und verbindet ethnologische Forschung im Museum mit postkolonialer Kritik an der Aneignung von Objekten und Fotografien. Dabei vermittelt die Sammlung als ethnohistorische Quellen ein Bild der Gesellschaft Südindiens in den 1920er-Jahren. Gleichzeitig stellt sich die Frage nach «anderen» Wahrnehmungen: Wer stand mit welcher Intension hinter der Kamera? Und wie interpretiert man die Fotografien und Objekte im heutigen Südindien? Katja Müller stellt verschiedene Narrative aus Indien und Deutschland nebeneinander und macht damit deutlich, welche theoretischen Zusammenhänge und praktischen Machtstrukturen zwischen Objekten, Fotografien und menschlichen Akteuren damals wie heute bestehen.
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3. Eickstedt und die Sammlung

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Besonders angesichts der nationalsozialistischen Rassenideologie und der mit ihr verbundenen Verbrechen erscheint es notwendig, die Stellungnahmen v. Eickstedts […] zu beleuchten. (Preuß 2009: 245)

Im ethnohistorischen Umgang mit Objekten und Fotografien ist eine umfangreiche Quellenkritik unabdingbar. Die Kontexte, in denen sich die Inhalte von Sammlungen befunden haben bzw. unter denen sie konstituiert wurden, müssen aufgegriffen werden. In Bezug auf koloniale Sammlungen ist hier die Beachtung der Rahmenbedingungen sowohl der Sammler/Fotografen als auch der Fotografierten notwendig, im konkreten Fall die auf die 1920er Jahre bezogenen Situationen in Indien und in Deutschland.

Auch in Bezug auf die Gegenwart erscheint es sinnvoll, beide Orte in die Bedeutungszuschreibung der Objekte und Fotografien einzubeziehen, da die Objekte und Fotografien Teil der Geschichte beider Orte geworden sind. Sie können als Teil indischer und als Teil deutscher Geschichte aufgefasst werden. Eine Bedeutungserschließung der sich de facto derzeit in Deutschland befindenden Objekte/Fotografien in Indien ist somit nur folgerichtig.

Wir bewegen uns im Folgenden von der Einordnung des Sammlers/Fotografen, über dessen wissenschaftshistorischen Kontext, zu seinen Wahrnehmungen der Bedingungen im Aufnahmeland bzw. der Aufnahmeregion. Die Situation zum Aufnahmezeitpunkt in Südindien wird weiterführend im Rahmen der Interpretation der Fotografien und Objekte erörtert, wenn es gilt, entlang einer objektbiografischen Linie einige der Bedeutungszuschreibungen, die entlang der Zeit-als auch der Raumachse vorgenommen wurden und werden, zu rekonstruieren.

In ihrer Entstehung wird jede Sammlung maßgeblich vom Sammler bzw. Fotografen geprägt. Der Sammler bzw. Fotograf der hier untersuchten Objekte und...

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