Show Less
Restricted access

Kulturelle Evolution und die Rolle von Memen

Ein Mehrebenenmodell

Series:

Karim Baraghith

Das Buch untersucht die Mechanismen der kulturellen Evolution, insbesondere die Rolle von Memen – kulturelle Muster also, die von Generation zu Generation weitergereicht werden. Gesellschaften durchlaufen einen evolutionären Prozess, Prinzipien wie Variation, Selektion und Reproduktion können als abstrakte Eigenschaften dynamischer Systeme verstanden werden. Sie finden sowohl Anwendung bei der Entwicklung von Organismen als auch bei kulturell erworbenen Verhaltensweisen. Dies ist der Erklärungsansatz einer interdisziplinären verallgemeinerten Evolutionstheorie. Was aber evolviert genau innerhalb der kulturellen Evolution? Der Autor versucht Einheiten der kulturellen Entwicklung (Meme) möglichst exakt zu definieren, um spezifische kulturelle Phänomene zu erklären.
Show Summary Details
Restricted access

2. Die KE und der Begriff des Mems

Extract

2.  Die KE und der Begriff des Mems

Zunächst wird dabei dem Begriff des „Mems“, seiner Entwicklung, Bedeutung und Problematik, nähere Aufmerksamkeit geschenkt. Wenn es sich bei der KE, wie oben beschrieben, um einen evolutionären algorithmischen Prozess handelt, welcher sich nicht auf die BE, den Zufall, menschliche Kognition und Intentionalität oder soziologische Rollentheorien reduzieren lässt, so müsste es klar identifizierbare Entitäten, sich selbst replizierende Elemente geben, welchen diesen Prozess durchlaufen und somit das untersuchte evolutionäre System konstituieren. Denn ein absolut zentraler Faktor des evolutionären Algorithmus ist die Reproduktion.

2.1 Gene und Meme als Replikatoren

Der Evolutionsbiologe Richard Dawkins legte in seinem Buch „The Selfish Gene“ (dt. „Das egoistische Gen“) von 1976 ausführlich dar, wie eine umfassende Theorie der replikatorischen Evolution auszusehen habe. Er wählte aus explanatorischen Gründen den wahrscheinlich populärsten Replikator unseres Planeten, das Gen, machte aber ebenfalls deutlich, dass es auch andere Arten von Replikatoren geben könnte und die genetische Evolution somit als spezieller Teil einer allgemeineren Theorie zu verstehen sei (Dawkins 2007: 320). Die allgemeinen Erfolgs – und Stabilitätskriterien eines Replikators bestehen in hoher Wiedergabetreue, hoher Verbreitungsrate und Langlebigkeit in Gestalt von Kopien. Von zentraler Bedeutung ist hier auch die genzentrierte Sicht Dawkins auf die Evolution. Allein Gene (nicht etwa Organismen oder Gruppen) seien die eigentlich evolvierenden Entitäten, die Replikatoren, aus deren passiven Wettrüsten im Laufe von vielen Jahrmillionen komplexere Gebilde (genannt Vehikel) entstanden waren, die...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.