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Sŏwŏn – Konfuzianische Privatakademien in Korea

Wissensinstitutionen der Vormoderne

Series:

Eun-Jeung Lee

Sŏwŏn waren konfuzianische Privatakademien, die sich seit Mitte des 16. Jahrhunderts in Korea rasch verbreiteten. Sie waren Orte der Generierung, Weitergabe und Stabilisierung verschiedener Formen von Wissen, aber auch Institutionen mit eigenständigen Ordnungen, die ihr eigenes Funktionieren wie auch ihr Verständnis und ihren Umgang mit Wissen regulierten. Die Autorin analysiert, wie und in welcher Form das neokonfuzianische Wissen in den Sŏwŏn institutionalisiert und wie dieses institutionalisierte Wissen in der Praxis gehandhabt wurde. Sie untersucht sowohl die Akteure und Prozesse der Institutionalisierung als auch die Formen des Wissenstransfers innerhalb, zwischen und jenseits dieser konfuzianischen Privatakademien.
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II. Errichtung der Sŏwŏn und ihre Entwicklung

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II.  Errichtung der Sŏwŏn und ihre Entwicklung

1.  Historischer Kontext der Errichtung der Sŏwŏn

1.1  Kultur der chinesischen Schriftzeichen und Herkunft des Konfuzianismus

In diesem Kapitel wollen wir zum besseren Verständnis des historischen Hintergrunds der Errichtung der Sŏwŏn zuerst die Herkunft des Konfuzianismus auf der koreanischen Halbinsel und die etablierenden Prozesse des Systems der konfuzianischen Bildung betrachten. Die Etablierung konfuzianischer Bildung auf der koreanischen Halbinsel reicht wesentlich weiter zurück als bis zur Chosŏn-Dynastie (1392–1910), in der Konfuzianismus als grundlegende Ideologie des Staates formalisiert worden war. Nach der historischen Überlieferung sollen bereits in der Zeit der Drei Reiche (samguk sidae, 1 Jh. v. Chr. – 666) Bildungseinrichtungen existiert haben, in denen die Klassiker der konfuzianischen Lehre im Hinblick und mit der Hoffnung auf eine spätere Tätigkeit für den Staat unterrichtet wurden. Die ältesten Aufzeichnungen zu staatlichen Schulen reichen bis zu der im 4. Jahrhundert im nördlichen Königreich Koguryŏ errichteten „Höchsten Schule“ (t‘aehak) zurück. In dem über eintausend Jahre währenden Zeitraum bis zur Errichtung der konfuzianischen Privatakademien (Sŏwŏn) im 16. Jahrhundert weitete sich der Kreis der in konfuzianischem Wissen geschulten Gelehrten immer weiter aus. Dies war zugleich ein Prozess der Formierung einer Gesellschaftsschicht von Gebildeten als Gegenpol zur politischen Hegemonie der seit der Gründung der Chosŏn-Dynastie im Zentrum etablierten herrschenden Schicht. Spätestens im 16. Jahrhundert war es dann soweit,...

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