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Die Ukraine – Grenzland oder Brücke?

Reflexionen zum aktuellen Konflikt

Reinhard Hildebrandt

Dieses Buch behandelt die Stellung der Ukraine im Konflikt um Aufrechterhaltung guter wirtschaftlicher und politischer Beziehungen der Ukraine zu Russland einerseits und ihrem Wunsch nach Zugehörigkeit zur Europäischen Union andererseits. In dieser Sache prallen die Strategie zur Erweiterung der EU und das Sicherheitsbedürfnis Russlands aufeinander. Diese rivalisierenden Mächte zerreißen die in ihren Sympathien gespaltene ukrainische Bevölkerung. Als traditionelles Grenzland wäre für die Ukraine die Brückenfunktion zwischen Russland und der EU jedoch angemessen. Es droht schließlich der Verlust der Unabhängigkeit, wenn der Konflikt auf absehbare Zeit zu keinem friedlichen Ende führt. Der Autor folgert, dass dessen Fortdauer auch das Verhältnis zwischen Europäischer Union und Russland entfremdet und ein Wiederaufleben des Ost-West-Konflikts nicht mehr ausgeschlossen ist.
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V. Strategien Russlands zur Wiedergewinnung seiner verlorenen Großmachtposition

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V.  Strategien Russlands zur Wiedergewinnung seiner verlorenen Großmachtposition

1.  Gestärktes Selbstvertrauen der russischen Führung

Wladimir Putin bezeichnete den Zerfall der Sowjetunion als „die größte geopolitische Katastrophe des 20. Jahrhunderts“. War aus dieser Bemerkung abzuleiten, dass Putin die Wiederherstellung der Sowjetunion beabsichtigte? Lilia Shevtsova, Mitarbeiterin des Moskauer Carnegiezentrums, meinte, Putin habe sich gefragt: „What are the means and tools at Russia’s disposal to make Russia great“ (Kramer, International Herald Tribune, January 29: 2009). Dmitri Peskow, ein Sprecher Putins, zählte den Energiemarkt zur bisherigen und künftigen strategischen Sphäre, in der Russland ein entscheidendes Wort mit zu reden habe (ebd.). Dabei sahen Putin und Medwedew in Deutschland den wichtigsten Partner zur Modernisierung des Landes. Durch den Einstieg in deutsche Unternehmen erhofften russische Investoren, einen Zugriff auf Spitzentechnologien zu erhalten (Windisch, Tagesspiegel, 18.7.2011).

Sergej A. Karaganow fragte sich bereits in seinem 2008 publizierten Artikel „Neustart der Geschichte“, ob nach der Finanzkrise, die von den USA ausging und von der sie selbst besonders hart getroffen wurden, eine Epoche der Konkurrenz, der Konfrontation oder der Kooperation anbrechen würde (Karaganow, Internationale Politik (IP), Juli/August 2008: 96). Die Positionsbestimmung der russischen Machtelite beschrieb er wie folgt: „Früher musste Moskau die beiden ersten Ausweitungen der NATO in Richtung Osten widerwillig schlucken. Es hatte einfach nicht die Mittel, um sich zu widersetzen. Dieses Mal wird es für die russische Elite in ihrer gegenwärtigen kämpferischen Stimmung schlechterdings unmöglich sein, diese Herausforderung dem...

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