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Die deutsche Besatzung in Lyon im Blick der Täterforschung

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Elisabeth Meier

Die Autorin rekonstruiert anhand zahlreicher deutscher und französischer Quellen und der Methoden der Täterforschung den komplexen Unterdrückungsapparat während des Zweiten Weltkriegs in Lyon und beleuchtet jenseits des Mythos einer allmächtigen Gestapo die Frage nach den Tätern. Lyon nimmt als «Hauptstadt des Widerstands» eine zentrale Rolle im französischen Kollektivgedächtnis ein. Erinnerung wie Forschung sind dabei eng mit der Person Klaus Barbies verbunden, der durch seine Tätigkeit als Gestapo-Chef von Lyon und seinen Prozess 1987 zum Hauptsymbol der NS-Verbrechen in Frankreich wurde. Dieser einseitige Fokus ließ die Rolle weiterer Sipo-SD-Mitglieder und erst recht der militärischen Besatzer völlig in den Hintergrund treten. Beispielhaft dafür steht Werner Knab, Oberhaupt der Lyoner Sipo-SD.
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Einleitung

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Lyon spielt als „Hauptstadt der Résistance“ sowohl in der Geschichte Frankreichs im Zweiten Weltkrieg als auch im französischen Kollektivgedächtnis eine wichtige Rolle, wobei Figuren wie Jean Moulin oder Klaus Barbie Teil der Legenden der nationalen Résistance-Bewegung bzw. der Allmacht der Gestapo geworden sind. Jedoch bleibt die ‚deutsche‘ Seite der Besatzung Lyons bis heute relativ unerforscht. Die Historiker, die sich mit der Geschichte der Stadt befasst haben, benutzten vor allem französische Quellen und konzentrierten sich auf die Geschichte des Widerstands oder des Alltags der Bevölkerung.1 Eine Magisterarbeit aus dem Jahr 1975 stützte sich zwar auf deutsche Militärquellen, stellte jedoch in den Mittelpunkt ihrer Forschungen die Zusammensetzung der verschiedenen in Lyon stationierten Wehrmachtseinheiten.2

Ein Ziel dieser Arbeit3 ist es also, die Geschichte Lyons durch die Untersuchung von deutschen Quellen zu schreiben, die von den verschiedenen polizeilichen und militärischen Dienststellen während der Besatzungszeit erstellt worden sind. Dieser Ansatz stützt sich auf die in den beiden letzten Jahrzehnten erfolgte Erneuerung der Historiographie zur deutschen Besatzung in Frankreich. Traditionelle Forschungsobjekte zum Zweiten Weltkrieg waren in Frankreich das Vichy-Regime oder die Résistance; in Deutschland beschäftigte sich die Täterforschung hauptsächlich mit den Kriegsschauplätzen im Osten Europas. Die beiden Standardwerke zu Frankreich, Eberhard Jäckels Frankreich in Hitlers Europa und Hans Umbreits ← 7 | 8 → Der Militärbefehlshaber in Frankreich waren zwar immer noch relevant, doch bildeten sie die einzigen Bücher zu dem Thema.4 Das Deutsche Historische Institut...

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