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Die deutsche Besatzung in Lyon im Blick der Täterforschung

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Elisabeth Meier

Die Autorin rekonstruiert anhand zahlreicher deutscher und französischer Quellen und der Methoden der Täterforschung den komplexen Unterdrückungsapparat während des Zweiten Weltkriegs in Lyon und beleuchtet jenseits des Mythos einer allmächtigen Gestapo die Frage nach den Tätern. Lyon nimmt als «Hauptstadt des Widerstands» eine zentrale Rolle im französischen Kollektivgedächtnis ein. Erinnerung wie Forschung sind dabei eng mit der Person Klaus Barbies verbunden, der durch seine Tätigkeit als Gestapo-Chef von Lyon und seinen Prozess 1987 zum Hauptsymbol der NS-Verbrechen in Frankreich wurde. Dieser einseitige Fokus ließ die Rolle weiterer Sipo-SD-Mitglieder und erst recht der militärischen Besatzer völlig in den Hintergrund treten. Beispielhaft dafür steht Werner Knab, Oberhaupt der Lyoner Sipo-SD.
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1. Die Besatzung Lyons, „dieses so heißen Bodens“, vom Standpunkt der deutschen Quellen aus

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1.  Die Besatzung Lyons, „dieses so heißen Bodens“24, vom Standpunkt der deutschen Quellen aus

1.1  Die Besatzer

1.1.1  Die Lyoner Sipo-SD

Die sogenannte ‚freie Zone‘25 wurde am 11. November 1942 nach der alliierten Landung in Nordafrika im Rahmen der Operation „Attila“ (später in Operation „Anton“ umbenannt) besetzt. Nach diesem Datum befand sich bis auf die départements der italienischen Besatzungszone ganz Frankreich unter deutscher Herrschaft. Die Demarkationslinie bestand jedoch weiter, da die Südzone nicht denselben juristischen Status wie das „altbesetzte Gebiet“26 erlangte.27 Offiziell behielt die Vichy-Regierung die Souveränität über Südfrankreich, obwohl diese de facto durch die deutsche Invasion und die Einrichtung deutscher Dienststellen nicht mehr bestand. Die französische Waffenstillstandsarmee wurde am 27. November 1942 aufgelöst28 und ihre Waffen und Munitionen von der Wehrmacht beschlagnahmt.29 Die Vichy-Regierung klammerte sich jedoch an die Bezeichnung „unbesetzte ← 17 | 18 → Zone“. Die Frage bekam eine politische und diplomatische Dimension: trotz der verzweifelten Versuche der französischen Machthaber, ihre schwindende Souveränität durch den etwas merkwürdigen Begriff der „unbesetzten Zone“ zu wahren, kamen sowohl auf deutscher wie auf französischer Seite andere Bezeichnungen in Umlauf, die eher den Tatsachen entsprachen. So wurde in Geschäftsbeziehungen von „früher unbesetztem Gebiet“ oder von „neubesetztem Gebiet“ gesprochen. Diese Bezeichnungen sollten jedoch aus diplomatischen Gründen auf Befehl der Militärverwaltung nicht gegenüber den französischen Behörden benutzt werden. Das Oberkommando des Heeres setzte...

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