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Minderheiten im sozialistischen Jugoslawien

Brüderlichkeit und Eigenheit

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Kateřina Králová, Jiří Kocian and Kamil Pikal

Dieses Buch bietet einen umfassenden Einblick in die Politik des jugoslawischen Staates gegenüber seinen 15 wichtigsten, offiziell anerkannten, ethnischen Minderheiten. Das bunte ethnische Mosaik, welches Jugoslawien im 20. Jahrhundert gekennzeichnet hat, weckte seit jeher das Interesse der Geistes- und Sozialwissenschaft. Mit ihm ging stets die Frage einher, ob und wie ein Staat mit derartigen Voraussetzungen funktionierend und effektiv gestaltet werden könne. Die Autorinnen und Autoren werfen in ihren Fallstudien dabei eine Reihe von Themenfeldern auf, welche die Relevanz der behandelten Minderheitensituation nicht nur für das Verständnis der Geschichte des sozialistischen Jugoslawien, sondern auch von multiethnischen Staaten insgesamt verdeutlichen.
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Einleitung

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Südosteuropa war und ist eine von ethnischer Vielfalt geprägte Region. In nahezu allen neuzeitlichen Staatsgebilden, die auf diesem Territorium bestanden, stellten Minderheiten eine Realität dar, mit der sich auseinandergesetzt werden musste. Im besonderen Maße galt dies gewiss für jene Staaten, die den größten Teil des Westbalkans umfassten – das Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen (ab 1929 Königreich Jugoslawien) sowie das sozialistische Jugoslawien von 1945 bis 1991.

Während sich der südslawische Staat der Zwischenkriegszeit auch in der Nationalitätenpolitik um eine möglichst starke Zentralisierung und Unifizierung bemühte, war das sozialistische Jugoslawien von Beginn an als ein nach ethnischen und historischen Gesichtspunkten geformter Bund von Staaten konzipiert. Grundlegendes Vorbild für diese Ordnung war das sowjetische Modell der Dezentralisierung des Staates und einer mehrstufigen Föderalisierung, bei der die Teilrepubliken auf ihrem Gebiet wiederum aus ihnen untergeordneten autonomen Einheiten zusammengesetzt sein konnten.1

Das Modell der mehrstufigen Föderation führte zu einer Unterteilung der ethnischen Gruppen auf dem Gebiet des Nachkriegs-Jugoslawiens in zwei Kategorien. Die erste bestand aus sogenannten staatsbildenden Völkern, also jenen ethnischen Gruppen, die – im Sinne der staatlichen Ordnungslogik – ihr „eigenes“ Staatsgebilde hatten, in welchem sie die dominante Position einnahmen. Zu ihnen gehörten Serben, Kroaten, Slowenen, Mazedonier, Montenegriner und ab 1971 auch die Muslime (Bosniaken). In die zweite Kategorie fielen diejenigen Volksgruppen, deren vermeintliches ethnisches Bezugsland nicht zum jugoslawischen Bundesstaat gehörte (Tschechen und Slowaken, Ukrainer, Magyaren, Deutsche, Rumänen,...

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