Show Less
Restricted access

Zwischen Orten, Zeiten und Kulturen

Zum Transitorischen in der Literatur

Series:

Jolanta Pacyniak and Anna Pastuszka

Im Mittelpunkt des Bandes stehen das vielfältige Konzept des Transitorischen und seine literarischen Ausgestaltungen. Die Beiträge beleuchten den etwas diffusen Begriff des Transitorischen anhand unterschiedlicher literarischer Werke, Motive, Themen und Topoi. Das dargestellte Spektrum der Forschungen reicht von den negativen Erfahrungen des Transits in der Exilliteratur über das Motiv der Reise, das Topos des homo viator, transitorische Orte und Zustände bis zu transitorischen Identitäten. Im Horizont einer «Poetik des Transitorischen» (Rüdiger Görner) entsteht aus fließenden Übergängen und Grenzen ein «Dazwischen». Zu dieser Poetik gehören u.a. die Erkenntnisse der Wandelbarkeit und Prozesshaftigkeit der scheinbar feststehenden Kategorien (Nation, Kultur, Geschlecht, Identität), die veränderte Raumwahrnehmung, die Aufwertung der Bewegung und die Versuche, das (post-)moderne Subjekt zu verorten.
Show Summary Details
Restricted access

Irmela von der Lühe - „Öfter als die Schuhe die Länder wechselnd“ – Fluchtorte und Transiträume in der Literatur des deutschsprachigen Exils

Extract

| 17 →

Irmela von der Lühe  (Zentrum Jüdische Studien Berlin-Brandenburg)

„Öfter als die Schuhe die Länder wechselnd“ – Fluchtorte und Transiträume in der Literatur des deutschsprachigen Exils

Das „Transitorische“ hat in der Literatur und in der Literaturwissenschaft neuerdings Konjunktur.1 Dabei ist weniger ein literarisches Motiv oder eine anthropologische bzw. existenzielle Kategorie gemeint, durch die eine positive oder negative Erfahrung ausgedrückt wird. Vielmehr fungiert das „Transitorische“ inzwischen als ein umfassendes kulturtheoretisches Paradigma, das im Zeitalter der Globalisierung und einer zugleich galoppierenden Renaissance nationaler, nationalistischer und imperialer Denkmuster und ihrer praktischen politischen Umsetzung von merkwürdig euphemistischen Zuschreibungen gekennzeichnet ist. Was in der Regel als Bedrohung und Gefahr, als Katastrophe und Verlust empfunden wurde, nämlich ein Leben im Transitraum von Exil und Emigration, das erscheint im Horizont postmoderner Gesellschafts- und Subjektentwürfe als Inbegriff vollendeter Aufklärung; als endgültiger Sieg der Moderne, die sich von einem subjektzentrierten zu einem System „frei flottierender“, transitorischer Identitäten fortentwickelt hat; mit wechselnden Zugehörigkeiten in nationaler, mentaler, personaler und – im Idealfalle, der freilich selten eintritt – auch in materieller bzw. beruflicher Hinsicht. Als befreiender Ausbruch und hoffnungsfroher Aufbruch in einstmals utopisch gewähnte Gefilde, in Räume ungekannter Selbstbegegnung, über Schwellen, die bisher als unpassierbar oder explosiv galten, kurzum ins Paradies des Performativen verspricht uns das Paradigma des Transitorischen zu führen; in den mehrsprachigen, pluri-kulturellen, multiethnischen, interreligiösen, multimedialen und dauer-digitalisierten und also ewig neu auszuhandelnden Raum des Nicht-Fixierten, der endlich freien und unverstellten...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.