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Zwischen Orten, Zeiten und Kulturen

Zum Transitorischen in der Literatur

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Edited By Jolanta Pacyniak and Anna Pastuszka

Im Mittelpunkt des Bandes stehen das vielfältige Konzept des Transitorischen und seine literarischen Ausgestaltungen. Die Beiträge beleuchten den etwas diffusen Begriff des Transitorischen anhand unterschiedlicher literarischer Werke, Motive, Themen und Topoi. Das dargestellte Spektrum der Forschungen reicht von den negativen Erfahrungen des Transits in der Exilliteratur über das Motiv der Reise, das Topos des homo viator, transitorische Orte und Zustände bis zu transitorischen Identitäten. Im Horizont einer «Poetik des Transitorischen» (Rüdiger Görner) entsteht aus fließenden Übergängen und Grenzen ein «Dazwischen». Zu dieser Poetik gehören u.a. die Erkenntnisse der Wandelbarkeit und Prozesshaftigkeit der scheinbar feststehenden Kategorien (Nation, Kultur, Geschlecht, Identität), die veränderte Raumwahrnehmung, die Aufwertung der Bewegung und die Versuche, das (post-)moderne Subjekt zu verorten.
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Beate Sommerfeld - Literarische Figurationen des ‚homo viator‘ in Christoph Ransmayrs Atlas eines ängstlichen Mannes

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Beate Sommerfeld  (Uniwersytet Adama Mickiewicza Poznań)

Literarische Figurationen des ‚homo viator‘ in Christoph Ransmayrs Atlas eines ängstlichen Mannes

Literatur hat zu allen Zeiten Anteil an Prozessen gehabt, die es einem Subjekt erlauben, Räume zu vermessen und sich im Raum zu situieren. Bei dieser topografischen Aufgabe muss sie sich mit bereits „objektivierte(n) Topografien“1 auseinandersetzen, und steht damit auch zu kartografischen Modellierungsverfahren in einer medialen Relationalität. So sondieren zahlreiche literarische Texte das „Dazwischen“ der Medien2 Kartografie und Literatur.3 Wenn die Autoren sich am komplexen Zeichensystem Karte4 abarbeiten, stehen dabei vor allem die zahlengenauen Messverhältnisse auf dem Prüfstein, die von der Karte ins Spiel gebracht werden, womit das Medium der Kartografie letztendlich die Bedeutung angreift und auf Indexikalität reduziert.5 Zur Disposition gestellt wird in literarischen Dialogen mit der Kartografie auch die Performativität von Karten, die mit ihrer Indexikalität in engem Zusammenhang steht. Der Mythos der Neutralität von Landkarten wurde im Zuge des postkolonialen Diskurses dekonstruiert6, der zu bedenken gab, dass Karten Indexe historisch und kulturell opportuner Realitäten produzieren und ← 65 | 66 → vermittels kartografischer Codes einer rhetorisch unterstützten Normativität gehorchen.7 Besonders weit geht in dieser Hinsicht der Historiker Karl Schlögel, indem er in der Indexikalität der Karte eine Repräsentation von Macht erblickt – Karten seien visuell operierende Waffen im Kampf um kulturelle Hegemonie.8

Indem sie Orte fixiert und topografische Ordnungen und Hierarchien festschreibt, bildet die Indexikalität von Karten das...

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