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Zwischen Orten, Zeiten und Kulturen

Zum Transitorischen in der Literatur

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Jolanta Pacyniak and Anna Pastuszka

Im Mittelpunkt des Bandes stehen das vielfältige Konzept des Transitorischen und seine literarischen Ausgestaltungen. Die Beiträge beleuchten den etwas diffusen Begriff des Transitorischen anhand unterschiedlicher literarischer Werke, Motive, Themen und Topoi. Das dargestellte Spektrum der Forschungen reicht von den negativen Erfahrungen des Transits in der Exilliteratur über das Motiv der Reise, das Topos des homo viator, transitorische Orte und Zustände bis zu transitorischen Identitäten. Im Horizont einer «Poetik des Transitorischen» (Rüdiger Görner) entsteht aus fließenden Übergängen und Grenzen ein «Dazwischen». Zu dieser Poetik gehören u.a. die Erkenntnisse der Wandelbarkeit und Prozesshaftigkeit der scheinbar feststehenden Kategorien (Nation, Kultur, Geschlecht, Identität), die veränderte Raumwahrnehmung, die Aufwertung der Bewegung und die Versuche, das (post-)moderne Subjekt zu verorten.
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Grażyna Krupińska - Das postmoderne Reisen im Roman Die Fahrt von Sibylle Berg

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Grażyna Krupińska  (Uniwersytet Śląski Katowice)

Das postmoderne Reisen im Roman Die Fahrt von Sibylle Berg

Der Mensch der Postmoderne ist in Bewegung geraten. Die Mobilität, freiwillige oder auch unfreiwillige, ist heute immer noch eine Conditio sine qua non des modernen Lebens. Die Bereitschaft den Ort für kürzere oder längere Zeit zu wechseln, wird als positiv, ja erwünscht angesehen. Ausbildungs-, Berufs- auch Freizeitmobilität stehen hoch im Kurs. Sie werden mit Offenheit, Kreativität, Lebensfreude assoziiert. Oder man kann es noch zugespitzter formulieren: „Mobilität und Flexibilität sind zu neuen Religionen avanciert.“1

Was aus der Sicht des marktorientierten Wirtschaftsexperten als Vorzug betrachtet wird, wird von vielen Soziologen und Psychologen als beunruhigend wahrgenommen. Der US-amerikanische Soziologe Richard Sennett versuchte mit seinem Buch Der flexible Mensch die Auswirkungen des modernen, eben flexiblen Kapitalismus – v.a. die Bereitschaft die Arbeitsstelle, -form, den Wohnort zu wechseln – auf den menschlichen Charakter auszuloten. Unter dem Motto: Nur nichts Langfristiges2 verwandelt sich der Mensch seiner Meinung nach in ein nachgiebiges, fragmentarisches, driftendes Subjekt, das risikobereit und aktiv um jeden Preis sein soll. Sennetts Diagnose korrespondiert mit anderen postmodernen Subjekttheorien, laut deren das einheitliche, stabile, kohärente und rationale cartesianische Subjekt mit einer festen Identität längst ausgedient hat. Während es in der Moderne noch darum ging – ich gehe jetzt auf Zygmunt Bauman ein –, „eine Identität zu konstruieren und sie fest und stabil zu halten, […] besteht das postmoderne...

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