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Zwischen Orten, Zeiten und Kulturen

Zum Transitorischen in der Literatur

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Edited By Jolanta Pacyniak and Anna Pastuszka

Im Mittelpunkt des Bandes stehen das vielfältige Konzept des Transitorischen und seine literarischen Ausgestaltungen. Die Beiträge beleuchten den etwas diffusen Begriff des Transitorischen anhand unterschiedlicher literarischer Werke, Motive, Themen und Topoi. Das dargestellte Spektrum der Forschungen reicht von den negativen Erfahrungen des Transits in der Exilliteratur über das Motiv der Reise, das Topos des homo viator, transitorische Orte und Zustände bis zu transitorischen Identitäten. Im Horizont einer «Poetik des Transitorischen» (Rüdiger Görner) entsteht aus fließenden Übergängen und Grenzen ein «Dazwischen». Zu dieser Poetik gehören u.a. die Erkenntnisse der Wandelbarkeit und Prozesshaftigkeit der scheinbar feststehenden Kategorien (Nation, Kultur, Geschlecht, Identität), die veränderte Raumwahrnehmung, die Aufwertung der Bewegung und die Versuche, das (post-)moderne Subjekt zu verorten.
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Jewgenija Woloschtschuk - Juden auf Wanderschaft: Die Verkehrsmittel in Hiob Joseph Roths

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Jewgenija Woloschtschuk  (Europa-Universität Viadrina Frankfurt an der Oder/ Schewtschenko-Institut für Literatur der Nationalen Akademie der Wissenschaften der Ukraine Kiew)

Juden auf Wanderschaft: Die Verkehrsmittel in Hiob Joseph Roths

In die Literaturgeschichte der Zwischenkriegszeit, die an verschiedenen „Odysseen“ extrem reich ist, ging Joseph Roth mit der Reputation eines Schriftstellers ein, der den nomadischen Geist der Epoche förmlich personifiziert. Ein Halbwanderer-Halbvagabund, der auf der Suche nach Obdach immer in der Welt herumirrte und trotzdem keines finden konnte, ist er zum Symbol eines vertriebenen Künstlers mit dem Schatten des Ewigen Juden geworden1. Seine durch das Konzept der Flucht ohne Ende geprägte Prosa spiegelt die umfangreiche Geografie des Wanderns seiner Protagonisten wider, die ebenso wie ihr Autor unbehaust blieben und, von der Sehnsucht nach dem unerreichbaren gelobten Land getrieben, allerlei transitorische Orte und Räume entdeckten.

Eine der markantesten Geschichten dieser Art wird in Roths Hiob erzählt. Hier werden am Beispiel der jüdischen Familie Singer die Probleme der (E)Migration, Assimilation, Ein- und Entwurzelung sowie andere Aspekte des jüdischen Nomadendaseins behandelt. Dennoch lässt sich dieser Roman, den man als dichterische Parallele zu Roths Essay Juden auf Wanderschaft betrachten kann, als Gleichnis nicht nur über das Schicksal der osteuropäischen Juden, sondern auch über die in ihnen verkörperte universelle transitorische Existenz, oder, allgemeiner, über die Irrungen einer unbehausten Seele auf den holprigen Wegen der Geschichte deuten.

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