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Reichsdramaturgie

Kulissen und Choreographien der Macht im NS-Staat

Gunter Reiß

«Reichsdramaturgie» wird definiert als Chiffre für totalitäre Massensuggestion. Sie bezieht sich sowohl auf die Instrumentalisierung des Theaters durch Goebbels als auch auf die Inszenierungsformen des sich als ästhetisches Spektakel präsentierenden faschistischen Staates.
Rückgriffe auf Denk- und Handlungsmuster der NS-Zeit sowie Ausgrenzung und Verfolgung Andersdenkender prägen weiterhin Teile der deutschen Öffentlichkeit und beginnen, demokratische Übereinkünfte und Grundrechte auszuhebeln. Die Analyse der Theatralik des Faschismus bestätigt die Notwendigkeit der Auseinandersetzung mit der Vergangenheit als einen unverzichtbaren Bestandteil unseres gesellschaftlichen Denkens und Handelns.
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Der „gebrochene“ Bühnenboden und der Blick nach oben

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Abb. 8  Schillerfeier Marbach 1934.



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Mit der Deutung der Raumaufteilung, des „gebrochenen“ Bühnenbodens und der damit verbundenen Hierarchie von Darstellungsebenen als Voraussetzung eines überhöhten, eines großen, sogar tragischen Spiels, befinden wir uns in der Bildlichkeit jener Massenauftritte der Parteitagsaufmärsche, der Kundgebungen und Paraden, der Feiertagsschauspiele und der Trauermärsche der Totenfeiern sowie ähnlicher Inszenierungsformen des faschistischen Staates. Verbunden mit den monumentalen Kulissen, die die Theaterbühne ebenso prägen wie die Staatsbühne, zeichnen sich hier die Grundformen einer alles bestimmenden „Reichsdramaturgie“ ab. Dazu gehört auch die Betonung der vertikalen Perspektive, insbesondere der Blick nach oben zur alles überragenden heroischen Plattform. ← 45 | 46 →

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