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Reichsdramaturgie

Kulissen und Choreographien der Macht im NS-Staat

Gunter Reiß

«Reichsdramaturgie» wird definiert als Chiffre für totalitäre Massensuggestion. Sie bezieht sich sowohl auf die Instrumentalisierung des Theaters durch Goebbels als auch auf die Inszenierungsformen des sich als ästhetisches Spektakel präsentierenden faschistischen Staates.
Rückgriffe auf Denk- und Handlungsmuster der NS-Zeit sowie Ausgrenzung und Verfolgung Andersdenkender prägen weiterhin Teile der deutschen Öffentlichkeit und beginnen, demokratische Übereinkünfte und Grundrechte auszuhebeln. Die Analyse der Theatralik des Faschismus bestätigt die Notwendigkeit der Auseinandersetzung mit der Vergangenheit als einen unverzichtbaren Bestandteil unseres gesellschaftlichen Denkens und Handelns.
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Vorwort

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Der Anlass zu diesem Buch war die Mitwirkung an einer öffentlichen Vortragsreihe über die „Künste unter dem Hakenkreuz“ am Theater Münster von März bis Juni 2015 mit einem Vortrag über „Reichsdramaturgie. Theater und Politik“. Unter all den in Frage stehenden spektakulären Künsten erschien das Thema „Theater“ zunächst als Nebenschauplatz. Über Theater und Politik unter der Perspektive einer „Reichsdramaturgie“ zu sprechen, war – das stellte sich sehr schnell heraus – mehr als der Bericht über eine in einschlägigen wissenschaftlichen Arbeiten einlässlich analysierte historische Faktenlage. Fragen der institutionellen Organisation, der Spielplangestaltung und der Akteure des Theaters traten angesichts der Komplexität des Stichworts „Reichsdramaturgie“ bald in den Hintergrund.

Mit „Reichsdramaturgie“ lassen sich jene Prozesse der Ästhetisierung und Theatralisierung des politischen Handelns sowie das Selbstverständnis des Staates als Kunstwerk umschreiben, die das ideologische Konzept der nationalsozialistischen Massensuggestion wesentlich bestimmt haben. Die damit verbundene Uneigentlichkeit des Begriffs „Reichsdramaturgie“ erweist sich jedoch als Vorteil. Sie erlaubt es, sowohl die Instrumentalisierung des Theaters zu beschreiben, die in der Gleichschaltung von Theater und NS-Alltag endet, als auch die Inszenierungsformen des sich mit gigantischen Kulissen als ästhetisches Spektakel präsentierenden faschistischen Staates zu analysieren. Mein Erkenntnisinteresse richtet sich also auf diese Ambivalenz des Zusammenhangs von Theater und Politik.

Für einen Vortrag erwies sich das Themenfeld allerdings als zu groß dimensioniert. So entwickelte sich recht schnell das Vorhaben, den komplexen Strukturen und ästhetischen ← 5 | 6 → Ausdrucksformen der totalen Vereinnahmung des deutschen Volkes in einem gr...

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