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Vom Ich erzählen

Identitätsnarrative in der Literatur des 20. Jahrhunderts

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Heribert Tommek and Christian Steltz

Narrative des Ich und des Selbst sind für die bürgerliche Kultur konstitutiv. Dieser Band beleuchtet, wie das Ich seit Rimbauds Fanal «Je est un autre» destruiert wurde. Nietzsches «Tod Gottes» entthronte das Ich. Ernst Mach erklärte es für «unrettbar», da er es auf seine einzelnen Elemente zurückführte, während Freud das Ich schließlich nach seinen Funktionen im psychischen Apparat zerlegte. Mit der Ich-Auflösung vollzog sich eine fundamentale metaphysische Krise. Die Beiträge zeigen, wie sich diese Auflösung als Katalysator für eine dynamisierte Modernisierung der Künste erwies. Denn paradoxerweise steht die Destruktion des Ich für eine neue, autonome Subjektkonstitution in der Literatur des 20. Jahrhunderts.
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Katrin Max - Auf der Suche nach der Rebellion. Bürgertums-Imitatio als Adoleszenzerfahrung in der DDR-Literatur der 1970er Jahre (Plenzdorf, Brock, Kunze)

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Katrin Max

Auf der Suche nach der Rebellion. Bürgertums-Imitatio als Adoleszenzerfahrung in der DDR-Literatur der 1970er Jahre (Plenzdorf, Brock, Kunze)

Die Frage, wie sich das Ich in literarischen Texten zu konstituieren habe, erhielt in der DDR von offizieller Seite eine klar formulierte Antwort. Leitgebend war das Konzept des sozialistischen Realismus, das vor allem in den Anfangsjahren die „gültige staatliche Kunstdoktrin“1 darstellte. Bezogen auf die Konzeption des Ich wurden bestimmte Ansprüche an die Protagonisten formuliert, denen in Entsprechung zum Credo einer operativen, d. h. auf Wirkung zielenden Literatur sowohl Mustergültigkeit als auch Identifikationspotential zugeschrieben werden sollten. Dabei erlangte die Figur des sog. positiven sozialistischen Helden besondere Bedeutung.2 Dieser diente „[a]ls Vorbildgestalt“, gerade weil er „nicht außerhalb oder über den Konflikten“ steht, sondern sich durch „seine Befähigung zum geschichtsbildenden Handeln“ auszeichnet.3 Das „neue Heldenbild“ wurde durch „wachsende Mannigfaltigkeit und Differenziertheit charakterisiert“; man sah es im Kontext der „Darstellung eines aktiven, schöpferischen, die Gesellschaft ← 165 | 166 → und sich selbst verändernden Menschen“.4 Das Ich in seiner Identität und seinem Selbstverständnis schien ungebrochen.

Vorangegangene literarhistorische Entwicklungen, die die Schwerpunkte hinsichtlich der Ich-Konstitution anders setzten, ließ man weitestgehend außer Acht. Dies betraf insbesondere die Positionen der ästhetischen Moderne. Die Infragestellung des Ich gerade durch die Möglichkeiten der Literatur mit Hilfe sowohl neuer ästhetischer Gestaltungsmittel als auch anders gelagerter inhaltlicher Schwerpunkte wurde von der DDR-Kulturpolitik abgelehnt, wobei zumeist das Schlagwort ‚Formalismus‘ zum Ausdruck...

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