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Odysseen des Humanen

Antike, Judentum und Christentum in der deutschsprachigen Literatur- Festschrift für Prof. Dr. Maria Kłańska zum 65. Geburtstag

Katarzyna Jastal, Pawel Zarychta and Anna Dabrowska

Literatur war und ist ein Ort menschlicher Identitäts- und Wertefindung, an dem die Kontingenzen individueller und historischer Erfahrung in universale Kontinuitäten eingeschrieben werden. Sie ist auch ein Ort, an dem antike, jüdische und christliche Traditionsbestände durch ihre Fortsetzung und Neusemantisierung wieder aufleben und nicht selten zu Grundmustern individueller Sinnstiftung werden. Von dieser Grundbeobachtung ausgehend, begeben sich die Autorinnen und Autoren dieses Bandes auf die Suche nach solchen Kontinuitäten und Neusemantisierungen der antiken, jüdischen und christlichen Narrative in der älteren bis jüngsten deutschsprachigen Literatur. Sie rekurrieren auf die Forschungsinteressen von Prof. Dr. Maria Kłańska, der diese Publikation zum 65. Geburtstag gewidmet ist.
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„Grenzlos das Sehnen, doch das Sein begrenzt“. Gertrud Kolmar und ihr Roman Eine jüdische Mutter

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Hartmut KircherUniversität zu Köln

„Grenzlos das Sehnen, doch das Sein begrenzt“.1 Gertrud Kolmar und ihr Roman Eine jüdische Mutter

Eine Veröffentlichung ihres 1930/31 entstandenen Romans Eine jüdische Mutter hat Gertrud Kolmar nicht mehr erlebt, sie ist 1943 in Auschwitz umgekommen. Die genaueren Umstände sind nicht bekannt: 1951 wurde sie vom Berliner Standesamt für tot erklärt.2 Der Roman erschien erst 1965 auf Veranlassung ihrer Schwester Hilde Wenzel, die allerdings auf einer Verkürzung des Titels zu Eine Mutter bestand. In der zweiten Auflage, 1978 herausgegeben von Friedhelm Kemp, wurde wieder der ursprüngliche Titel gewählt. Darauf wird noch näher einzugehen sein.

Gertrud Chodziesner kam 1894 in Berlin als ältestes der vier Kinder des erfolgreichen Rechtsanwalts Ludwig Chodziesner und seiner Ehefrau Elise, geb. Schoenflies, zur Welt. Der Familienname ist abgeleitet von der kleinen polnischen Stadt Chodzież (in der Provinz Posen), aus der die Vorfahren des Vaters stammten. Kolmar, das Pseudonym der Autorin, ist die deutsche Übersetzung dieses Ortsnamens. Die jüdischen Eltern waren weitgehend assimiliert und führten einen großbürgerlichen Lebensstil. Der Vater stufte sich als kaisertreu ein. Dass die junge Frau nach dem Besuch einer hauswirtschaftlichen Frauenschule Sprachlehrerinnendiplome in Englisch und Französisch erwarb und nebenher auch Russisch lernte, kann durchaus als verhaltene Auflehnung gegen die nationalistische und auch antisemitische Atmosphäre in der Wilhelminischen Ära gewertet werden, zumal sie keinen Hehl aus ihrer Bewunderung für Napoleon...

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