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Odysseen des Humanen

Antike, Judentum und Christentum in der deutschsprachigen Literatur- Festschrift für Prof. Dr. Maria Kłańska zum 65. Geburtstag

Katarzyna Jastal, Pawel Zarychta and Anna Dabrowska

Literatur war und ist ein Ort menschlicher Identitäts- und Wertefindung, an dem die Kontingenzen individueller und historischer Erfahrung in universale Kontinuitäten eingeschrieben werden. Sie ist auch ein Ort, an dem antike, jüdische und christliche Traditionsbestände durch ihre Fortsetzung und Neusemantisierung wieder aufleben und nicht selten zu Grundmustern individueller Sinnstiftung werden. Von dieser Grundbeobachtung ausgehend, begeben sich die Autorinnen und Autoren dieses Bandes auf die Suche nach solchen Kontinuitäten und Neusemantisierungen der antiken, jüdischen und christlichen Narrative in der älteren bis jüngsten deutschsprachigen Literatur. Sie rekurrieren auf die Forschungsinteressen von Prof. Dr. Maria Kłańska, der diese Publikation zum 65. Geburtstag gewidmet ist.
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Elias Canetti und die Verwandlung Europas

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Elias Canetti veröffentlichte Anfang der 1960er Jahre mit dem Werk Masse und Macht sein Credo des europäischen Erbes, ein Buch, an dem er nach eigenen Angaben mehr als dreißig Jahre gearbeitet hat. Wenn wir dem Autor glauben wollen, dann hat Elias Canetti nichts so sehr geprägt wie das Erlebnis der Masse beim Brand des Justizpalastes in Wien am 15. Juli 1927. Es war „der einschneidendste Tag meines Lebens“, sagte er später. Im autobiographischen Text Die Fackel im Ohr beschreibt Canetti die Massenproteste gegen ein Skandalurteil in einem politisch gespaltenen Österreich, die zur Plünderung und Brandlegung des Justizpalastes führten: „Seither weiß ich ganz genau, wie es beim Sturm auf die Bastille zuging. Ich wurde zu einem Teil der Masse, ich ging vollkommen in ihr auf, ich spürte nicht den geringsten Widerstand gegen das, was sie unternahm.“ Dreiunddreißig Jahre später und inzwischen längst als Emigrant in London lebend, legte er mit dem Buch Masse und Macht das Ergebnis seines Nachdenkens über das Feuer des Jahres 1927 vor. Es ist ein zwischen Wissenschaft und Literatur oszillierender Text, der unfertig und gleichzeitig anregend wirkt. Ohne Rücksichtnahme auf die Ansprüche fachwissenschaftlicher Präzision oder literarischer Erzähltraditionen sucht Canetti nach den Wurzeln menschlichen Verhaltens und gesellschaftlicher Ordnung. Für ein im Europa des 20. Jahrhunderts geschriebenes Werk nicht überraschend, findet er diese Wurzeln im kulturell begründeten Verhältnis des Menschen zu Masse und Macht.

Schon der erste...

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