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Odysseen des Humanen

Antike, Judentum und Christentum in der deutschsprachigen Literatur- Festschrift für Prof. Dr. Maria Kłańska zum 65. Geburtstag

Edited By Katarzyna Jastal, Pawel Zarychta and Anna Dabrowska

Literatur war und ist ein Ort menschlicher Identitäts- und Wertefindung, an dem die Kontingenzen individueller und historischer Erfahrung in universale Kontinuitäten eingeschrieben werden. Sie ist auch ein Ort, an dem antike, jüdische und christliche Traditionsbestände durch ihre Fortsetzung und Neusemantisierung wieder aufleben und nicht selten zu Grundmustern individueller Sinnstiftung werden. Von dieser Grundbeobachtung ausgehend, begeben sich die Autorinnen und Autoren dieses Bandes auf die Suche nach solchen Kontinuitäten und Neusemantisierungen der antiken, jüdischen und christlichen Narrative in der älteren bis jüngsten deutschsprachigen Literatur. Sie rekurrieren auf die Forschungsinteressen von Prof. Dr. Maria Kłańska, der diese Publikation zum 65. Geburtstag gewidmet ist.
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Odysseus und Sirenen in der schwedischsprachigen Lyrik des 20. Jahrhunderts

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Am Schluss ihrer Dissertation stellt Maria Kłańska fest, dass in der Rezeption des Odysseus-Mythos in der deutschsprachigen Literatur des 20. Jahrhunderts zwei Ereigniskomplexe einen besonderen Erfolg davongetragen haben: Es sind dies die Wanderung des Helden und seine Rückkehr nach Ithaka. Bei der Aufnahme der Wanderungs-Handlung konzentrieren sich die deutschsprachigen Gegenwartsautoren meistens auf eine bestimmte Episode. Eine der beliebtesten unter ihnen ist die Verführung des Königs von Ithaka durch die Sirenen.1

Die Befunde der Krakauer Germanistin behalten ihre Gültigkeit auch in Bezug auf die schwedische Literatur des 20. Jahrhunderts. Die Beliebtheit, welcher sich das Mythem der Insel der Sirenen erfreut, manifestiert sich vornehmlich in der schwedischsprachigen Lyrik. Aus der Perspektive der Rezeptionsäthetik kann das Phänomen unterschiedlich erklärt werden. Einerseits weist die Begegnung des Odysseus mit den Sirenen einen hohen Grad von „adaptibility“2 auf, denn darin finden sich eine Reihe von Themen, die für die Gegenwartslyriker – und für den modernen Menschen überhaupt – durchaus aktuell sind. (Dazu gehören die Dialektik von Leben und Tod, die Dilemmata der Erkenntnis, der Kampf des ethischen Imperativs mit den Trieben, die Macht und Ohnmacht der Dichtung usw.) Andererseits erlaubt die Lyrik – und insbesondere die ihrem Charakter nach nicht-mimetische modernistische Lyrik – eine freie Bearbeitung des mythischen Stoffes.

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