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Henrich Steffens

Ein politischer Professor in Umbruchzeiten 1806–1819

Marit Bergner

Diese mentalitätsgeschichtlich angelegte Studie untersucht den norwegischen Naturphilosophen Henrich Steffens (1773–1845), Gelehrter an den preußischen Universitäten Halle, Breslau und Berlin. Erstmals fasst sie ihn als politischen Professor, öffentlichen Kommentator der preußischen Politik und (Mit-)Initiator politischer Ereignisse im Kontext der nationsbildenden Jahre in Preußen. Henrich Steffens war Fürsprecher der autonomen und souveränen Wissenschaft, Leutnant im Krieg gegen Napoleon und wurde 1818 in der Breslauer Turnfehde durch die Ablehnung einer erzwungenen Nationsbildung zum Gegner der deutschen Nationalbewegung. Neben seinen in den Jahren 1806 bis 1819 publizierten politischen Schriften bilden auch private und behördliche Briefwechsel sowie seine Autobiographie den Quellenschwerpunkt.
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II. Wider Napoleon: Breslau 1811–1815

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II.   Wider Napoleon: Breslau 1811–1815

Der Umzug ins schlesische Breslau an die Peripherie Preußens bedeutete für Steffens, nachdem er sich in Halle als Gelehrter in der deutschen Wissenschaftslandschaft etabliert und positioniert hatte, privat und beruflich einen Neuanfang. Zugleich fällt in die ersten Breslauer Jahre das Ereignis, mit dem Steffens – allerdings nur in wenigen Fällen – Eingang in die Historiographie fand und welches gerne als Anekdote für das Handeln eines Professors im Kontext der antinapoleonischen Kriege genannt wird: der Breslauer Kriegsaufruf vom Februar 1813. Wie es zu diesem Aufruf kam, welche Beweggründe Steffens hatte, um öffentlich für den Krieg gegen Napoleon aufzurufen und welche Folgen der Aufruf für Steffens, die Breslauer Universität, die Kriegsbeteiligung der Studenten und letztlich die Rezeptionsgeschichte bis in das 20. Jahrhundert hatte, wird in diesem Kapitel dargestellt und analysiert.

1.   Anfangsjahre an der Breslauer Universität 1811–1813

Die Universität Breslau war 1811 durch Zusammenschluss der Breslauer Leopoldina – gegründet am 15. November 1702 als Academia Wratislaviensis durch den Jesuitenorden gegen „den erklärten Widerstand von Rat und Bürgerschaft Breslaus mit Unterstützung des habsburgischen Landesherrn“1 – mit der Frankfurter Universität, der 1506 gegründeten Viadrina, entstanden. Mit einer Kabinettsorder vom 24. April 1811 an Staatskanzler Hardenberg verfügte Friedrich Wilhelm III. „die Verlegung der Universität Frankfurt nach Breslau“2. Der Grund hierfür lag in der Gründung der Berliner Universität, welche eine nahe Universität...

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