Show Less
Restricted access

Von Lenau zu «Laibach»

Beiträge zu einer Kulturgeschichte Mitteleuropas

Series:

Stefan Simonek

Die Beiträge dieses Bandes behandeln unter primär komparatistischer Perspektive Muster kultureller Rezeption und Interaktion in Mitteleuropa mit einem Schwerpunkt auf der Moderne; der Fokus liegt dabei auf der tschechischen, ukrainischen und slowenischen Literatur und deren Kontextualisierung im Rahmen der Donaumonarchie. Mitteleuropa wird als Region ausgewiesen, die um das Jahr 1900 von verschiedenen kulturellen und sprachlichen Codes und von deren spezifischer Engführung geprägt war. Weiter zeigt der Band, dass sich die Verknüpfung dieser Codes in modifizierter Form auch bis in die mittelbare Gegenwart beobachten lässt.
Show Summary Details
Restricted access

2.2 Das präsente und das absente Wien im Lemberger „Literaturno-naukovyj visnyk“ (1898–1906)

Extract

← 84 | 85 →

2.2  Das präsente und das absente Wien im Lemberger „Literaturno-naukovyj visnyk“ (1898–1906)

Die kulturpolitische Situation im Rahmen der Donaumonarchie um 1900 war – soweit es die slawischen Kulturen innerhalb des Staatsverbandes betrifft – von einer grundlegenden Multipolarität zwischen Zentrum und Peripherie sowie deren wechselseitiger Wahrnehmung und Darstellung in den diversen Medien bestimmt. Diese Multipolarität war zum einen von den beiden Metropolen Wien und Budapest geprägt, die für die gesamte Monarchie als Zentren von Wissenschaft, Administration und Kultur von Bedeutung gewesen sind, daneben aber auch von mittleren Städten wie Ljubljana, Zagreb oder Lemberg, in denen die von den Metropolen her ausstrahlenden Impulse von einer lokalen (sehr oft eben gerade z. B. in Wien akademisch ausgebildeten) Elite entsprechend den eigenen Bedürfnissen modelliert und in dieser Form dann in die Kleinstädte und rural geprägten Regionen der Umgebung weitertransferiert wurden. Der kulturelle Vermittlungsprozess etwa von Wien nach Galizien wurde in dieser Hinsicht oft von dazwischen geschalteten medialen Instanzen gebrochen und in eine neue, modifizierte Konstellation gebracht.

Von besonderer Relevanz für die Herausbildung eines kulturellen Selbstbewusstseins der ukrainischen Bevölkerung in Ostgalizien ist in dieser Beziehung die 1898 in Lemberg gegründete Monatsschrift „Literaturno-naukovyj visnyk“ [Literarisch-wissenschaftlicher Bote], die bis in das Jahr 1906 in der Hauptstadt des Kronlandes Galizien und Lodomerien erschien, ehe sie aufgrund der gelockerten Zensurbestimmungen und der Aufhebung der Restriktionen der ukrainischen Sprache gegenüber in das zaristische Russland überwechselte, um dort mit Unterbrechungen von...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.