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Minderheitenschutz in Ungarn und der Türkei

Eine vergleichende Studie zum Umgang mit Trianon-Trauma und Sèvres-Syndrom

Arndt Künnecke

Dieses Buch vergleicht den Minderheitenschutz in Ungarn und der Türkei. Unter ihren immer autokratischer agierenden Herrschern Viktor Orbán und Recep Tayyip Erdoğan haben sich beide Länder in den vergangenen Jahren immer mehr vom Westen abgewandt und insbesondere Menschenrechte systematisch eingeschränkt. Eng mit der Garantie von Menschenrechten verknüpft ist der Schutz von Minderheiten. Dieser wurde beiden Staaten als Verlierern des Ersten Weltkrieges in den Friedensverträgen von Trianon und Sèvres (später: Lausanne) gegen ihren Willen aufgezwungen. So litt Ungarn unter seinem «Trianon-Trauma» und die Türkei unter ihrem «Sèvres-Syndrom». Der Autor untersucht, wie unterschiedlich beide Länder mit dieser Last umgegangen sind und wie sich der Schutz von Minderheiten auf deren Staatsgebiet seitdem entwickelt hat.
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Vorwort

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Gegenwärtig stehen Ungarn und die Türkei vor allem wegen ihrer immer autokratischer agierenden Herrscher im internationalen Fokus: Viktor Orbán in Ungarn und Recep Tayyip Erdoğan in der Türkei. Beide sind bereits seit mehreren Legislaturperioden an der Macht und ihre Parteien – der FIDEZ in Ungarn und die AKP in der Türkei – regieren seitdem mit absoluter Mehrheit. Gerade in den letzten Jahren standen Orbáns Ungarn und Erdoğans Türkei wegen systematischer Einschränkung der Menschenrechte in ihren Ländern international in der Kritik.

Ist dies Zufall? Oder gibt es neben der sprachlichen Verwandtschaft zwischen Ungarn und Türken, der über anderthalb Jahrhunderte anhaltenden osmanischen Herrschaft in Ungarn, der Anbindung an die EU und die in den letzten Jahren nachlassende Westbindung noch weitere Parallelen zwischen beiden Staaten?

Eng mit der Garantie von Menschenrechten verknüpft ist der Schutz von Minderheiten. Sowohl Ungarn als auch die Türkei beherbergen auf ihrem Staatsgebiet zahlreiche Minderheiten. Beide Länder standen im Ersten Weltkrieg als Österreich-Ungarn und als Osmanisches Reich auf der Verliererseite. Beide Länder verloren kriegsbedingt große Teile ihres Territoriums und ihrer Bevölkerung. Und beiden Ländern wurde in den für sie äußerst restriktiven Friedensverträgen von Trianon (1920) und Sèvres (1920) – später: Lausanne (1923) – gegen ihren Willen die Verpflichtung zum Schutz der auf ihrem Staatsgebiet lebenden Minderheiten aufgezwungen.

Die Ausgangslage beider Staaten nach dem Ersten Weltkrieg war also ähnlich. Doch wie hat...

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