Show Less
Restricted access

Die Bedeutung der Bindung für die Entwicklung des Kindes und ihre Relevanz in historischen und aktuellen Krippenkonzepten

Rieke Schneider

Das Buch gewährt einen Rückblick auf die Geschichte der Kinderkrippen und führt zur Frage der «sicheren Bindung» (Bowlby), der Schlüsselfrage frühkindlicher Entwicklung. Historisch ist diese Bindung bis in die jüngste Zeit hinein kaum beachtet worden. Was bedeutet eine «sichere Bindung» des Kindes und welche Voraussetzungen erfordert sie? Wie können Krippen diese Aufgabe unterstützen und welche Kriterien sollten sie erfüllen? Neben den Krippenkonzepten in der ehemaligen DDR und der Bundesrepublik stehen sieben weitere pädagogische Konzepte im Fokus: Ihre pädagogischen Theorien und deren Folgen in der Praxis werden aus der Perspektive einer konsequenten Selbstbestimmung auch schon des kleinsten Kindes diskutiert.
Show Summary Details
Restricted access

2. Krippenpädagogik im Kontext historischer und sozialer Entwicklungen

Extract



2.1 Die Situation der Krippen vor 100 Jahren – Motive der Krippenentwicklung im frühen 20. Jh.

Vor knapp 100 Jahren veröffentlichte der Leiter der Städtischen Säuglingsfürsorgestelle V in Berlin einen zusammenfassenden Bericht über die Situation der Kleinkinder6.

Er fordert grundsätzlich, die „Trennung von Mutter und Kind durch die Übernahme des Kindes in Tagesheime (solle) nur erfolgen, wenn die Mutter durch außerhäusliche Erwerbstätigkeit, anstrengende Heimarbeit, durch Krankheit usw. verhindert oder infolge moralischen und geistigen Tiefststandes unfähig ist, ihr Kind selbst zu pflegen und zu erziehen“7. Im vierten Kriegsjahr des 1. Weltkrieges, aber auch schon in den davor liegenden Friedensjahren war die Lage der meisten Kleinkinder nicht sehr positiv. Die Säuglingssterblichkeit lag bei 16,67%8 häufig verursacht durch Scharlach, Masern, Diphterie und Keuchhusten, wobei arme Wohnviertel den höchsten Tribut zu leisten hatten9. Die Kinder waren untergewichtig und „für das Heer der mit englischer Krankheit, Skrofulose, Tuberkulose behafteten Kinder stehen kaum geeignete Anstalten zur Verfügung“10. Diese waren zudem der physischen Gesundheit der betreuten Kinder nicht unbedingt zuträglich, denn, „Wie allgemein bekannt ist, befindet sich ein großer Teil dieser Anstalten in durchaus unhygienischem Zustand“.11 Bereits aus diesen wenigen Aussagen des zeitgenössischen Fachmannes lässt sich die Motivation der Säuglings- und Kleinstkinderfürsorge ablesen: Es geht primär um die Sicherstellung grundlegender gesundheitlicher Standards, aber Tugendreich verweist auch auf „die Schäden der seelischen und geistigen Entwicklung“12,...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.