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Homo homini summum bonum- Der zweifache Humanismus des F.C.S. Schiller

Guido Karl Tamponi

Dieses Buch ist die erste deutschsprachige Monographie zu dem im Zeitalter einer «Renaissance des Pragmatismus» wenig beachteten klassischen Pragmatisten F.C.S. Schiller. Es versucht erstmals, einen Ariadnefaden zu sämtlichen Facetten seines Œuvres als einen «zweifachen Humanismus» auszulegen: der Mensch zwischen Individuum und Gesellschaft, Ich und Gott, zwischen Faktum und Ideal, Kritik und Reform. Dabei wird deutlich, dass sich Schillers vielschichtiges Denken – logisch, ethisch, sozial- und bildungspolitisch, metaphysisch – nicht auf einzelne Aspekte beschränken lässt. Vielmehr kreist es um die Frage des Philosophierens überhaupt: nach dem Sinn des Lebens im Ganzen, besonders vor dem Hintergrund der modernen Bedrohung durch Nihilismus und Pessimismus.
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1. Überflug

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Wenn dem britischen Philosophen Ferdinand Canning Scott Schiller (1864–1937) heute noch das Privileg zukommt, in kanonischen Betrachtungen oder Reflexionen des Werts des klassischen Pragmatismus interpretativen Raum zugebilligt zu werden2, so meist deswegen, um ihn entweder als bloß epigonalen Schattenwurf seines monolithisch emporragenden amerikanischen Freundes William James auf Europa zu marginalisieren oder aber ihn produktiver, weil für den Rezeptionsdiskurs destruktiver darzustellen. In diesem Fall wird Schiller nicht zu einem blassen Echo eines transatlantisch fernen, allein dort dem kulturellen Kontext entsprechend vitalen und wirksamen Spektakels, sondern vielmehr zum kontinentalen Ausläufer eines Tsunamis, der je weiter vom Epizentrum des Bebens entfernt umso stärker und gewaltiger wird. Doch im Unterschied zum Reich des Materiellen stellt sich die Gewinnung an Kraft im Reich der Kultur, Literarität und des Geistes eher als Übersteigerung, Verzerrung und Vereinfachung dar, sodass Schiller, in diesem Rezeptionsnarrativ gefangen, zu ← 13 | 14 → demjenigen mit einer „extreme view“3 wird, zum „tempter“4 der Bewegung, von dem gilt, dass sich „die gängigen Vorurteile gegenüber dem Pragmatismus […] am ehesten an seinen Anschauungen verifizieren“5 lassen, indem er James philosophischen Wurf, jede Vorsicht hinter sich lassend, „in seinen Konsequenzen aufs Äußerste getrieben“6 hat. Während Schiller historisch dabei mindestens implizit für einen Teil der Begründung herhalten muss, warum die europäische Rezeption des Pragmatismus, den von Joas (1992) für die deutsche Rezeption gebrauchten Begriff generalisierend, sich als ein Jahrzehnte andauerndes „Mißverständnis“ vollzog, wird Schiller systematisch im Rahmen einer positiven...

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