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Astrologie in der Europäischen Religionsgeschichte

Kontinuität und Diskontinuität

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Gustav-Adolf Schoener

Diese religionswissenschaftliche Untersuchung verfolgt die europäische Tradition der Astrologie von ihren orientalischen Anfängen bis in die Gegenwart. Als ein Sammelbegriff unterschiedlicher auf den Kosmos bezogener Lehren und Praktiken ist die Astrologie einerseits ein in sich konsistentes kulturelles Phänomen. Andererseits scheint es, dass sie mit der Überwindung des geozentrischen Weltbildes durch Kopernikus und Kepler ihre Begründung verloren hat und nur als «intellektuelle Regression» (Theodor W. Adorno) weiterhin bestehen kann. Dieser Auffassung steht die hier begründete These entgegen, dass die Astrologie den Wechsel der Weltbilder unbeschadet überleben konnte, weil die Begründungsmuster jenseits der rein naturwissenschaftlichen Perspektiven liegen. So hat sich die Astrologie als moderne individualisierte Religiosität auch in westlichen Gesellschaften etabliert.
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Einleitung

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Die vorliegende Arbeit versteht sich als eine religionswissenschaftliche Analyse der Astrologie in der europäischen Traditionslinie. Zweck ist es nicht, eine neue Geschichte der Astrologie von ihren mesopotamischen und altägyptischen Anfängen bis in die Gegenwart zu schreiben1, sondern diachronisch begleitend einzelne markante historische Stationen zum Anlass zu nehmen, die Astrologie als ein besonderes Weltbild und Welt deutendes System in den jeweils unterschiedlichen religiösen und kulturellen Zusammenhängen nachzuzeichnen.2 Diese Herangehensweise setzt voraus, dass es einerseits einen Kernbestand an Kontinuität gibt, der es erlaubt, den Begriff Astrologie als Sammelbegriff für eine Vielzahl vergleichbarer Lehren und Praktiken durch eine mehr als 4.000-jährige Geschichte hindurch anzuwenden, in der solche Lehren und Praktiken in unterschiedlichen Formen bestanden und eine gewisse Bedeutung hatten. Andererseits aber ist vorausgesetzt, dass es in dieser Geschichte der Astrologie Diskontinuitäten gibt, die mit dem Wandel der Weltbilder, dem sich wandelnden Verständnis von Religion, Natur und Gesellschaft immer neue Formen astrologischer Lehren hervorbrachten. Religionsgeschichtliches Anliegen dieser Arbeit ist es aber vor allem, Merkmale der Kontinuität im Wandel der astrologischen Formen und ihrer kulturellen Kontexte nachzuzeichnen, die es ermöglichen, von Astrologie als Sammelbegriff bestimmter ihr zugehörender Phänomene zu sprechen. Es erweist sich daher als erforderlich, die wichtigsten Schaltstellen in der Geschichte der Astrologie hinsichtlich ihrer theoretischen und praktischen Begründungen herauszuarbeiten. ← 9 | 10 →

Der Schlüssel zum historischen Verständnis der europäischen Traditionslinien der Astrologie liegt in Mesopotamien. Hier wurde zuerst die Einheit von Kosmos...

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