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Qualität familienrechtspsychologischer Gutachten: Eine empirische Analyse mit Praxiskommentaren

Christel Salewski, Stefan Stürmer, Jörn Meyer und Anne-Kathrin Meyer

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Anette Rohmann

Das Ziel dieser Untersuchung besteht darin, anhand einer repräsentativen Stichprobe festzustellen, ob und inwieweit familienrechtspsychologische Gutachten wissenschaftlichen Mindestanforderungen genügen. Zudem wird die Art und Qualität der Erfassung von Bindung analysiert. Die Stichprobe umfasst 116 Gutachten, die aus Vollerhebungen an vier Amtsgerichten stammen. Die Untersuchung zeigt, dass nur eine Minderheit der Gutachten zentrale fachliche Standards erfüllt. Ebenso wird in der überwiegenden Zahl der Gutachten nicht nachvollziehbar beschrieben, welches theoretische Konzept von Bindung der entsprechenden Diagnostik zugrunde liegt und wie Interpretationen zur Bindung der Kinder psychologisch-wissenschaftlich begründet werden.
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7 Schlusswort

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Die vier Kommentare machen unterschiedliche Perspektiven auf die Forschungsergebnisse deutlich und skizzieren deren Nutzen und ihre Grenzen für das jeweilige Berufsfeld. Alle Kommentare weisen auch auf notwendige Richtungen für die zukünftige Forschung hin (z. B. das Erfordernis von prognostischen Studien, die Ausweitung von Qualitätsuntersuchungen auf die schriftlichen Stellungnahmen anderer Verfahrensbeteiligter wie z. B. Verfahrensbeiständen).

Die intensive Diskussion über die Qualität familienrechtspsychologischer Gutachten in den beteiligten Fachwissenschaften und Berufsgruppen, zu der auch unsere Studie einen Beitrag geleistet hat, hat erste Früchte getragen: Zur Zeit der Abfassung dieses Schlussworts im September 2015 haben Vertreter/-innen juristischer, psychologischer und medizinischer Fachverbände, der Bundesrechtsanwalts- und der Bundespsychotherapeutenkammer unter Begleitung des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV) einen Katalog von ‚Mindestanforderungen an Gutachten im Kindschaftsrecht‘ vorgelegt (Arbeitsgruppe Familienrechtliche Gutachten, 2015). Die Kriterien, die wir in unserer Studie angelegt haben – (a) wissenschaftliche Herleitung psychologischer Fragen, (b) die (an den Fragen d. h. am Einzelfall orientierte) wissenschaftliche Begründung der Auswahl der Datenerhebungsverfahren, (c) die psychometrische Qualität der datenerhebungsverfahren und (d) die methodenkritische Interpretation – werden darin als zentrale diagnostisch-methodische Mindestanforderungen formuliert, die im schriftlichen Gutachten notwendigerweise darzulegen sind.

Die nun veröffentlichten Empfehlungen stellen zwar keine Kriterien für die Überprüfung einer Gerichtsentscheidung im Sinne rechtlich verbindlicher Mindeststandards dar. Trotzdem gehen die beteiligten Vertreterinnen und Vertreter davon aus, dass sie in der Rechtsanwendung und Gutachtenpraxis Berücksichtigung finden werden. Ob dies tatsächlich so ist, lässt sich erst im...

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