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Denken des Empraktischen

Edited By Konstanze Caysa and Harko Benkert

Der Band thematisiert Karl Bühlers Idee des Empraktischen, fasst sie aber zugleich weiter, indem nicht nur auf sprachlich-implizites, sondern leiblich-implizites Vollzugshandeln eingegangen wird. Im Empraktischen geht es demzufolge um leiblich-implizite Wissensformen. Das Empraktische ist ein Wissen-Haben im Tun-Können. Empraktisch wissen wir, was wir wissen, solange wir nicht danach gefragt werden. Oder anders ausgedrückt: Empraktisches Wissen ist ein Wissen, das wir solange haben, solange wir es nicht metastufig problematisieren. Selbst die Reflexionswissenschaft Philosophie, deren Tun wesentlich in der Reflexion besteht, funktioniert wie Sport, Sex, Wissenschaft und Kunst auf der Basis des Empraktischen. Der Band thematisiert demzufolge das Empraktische auf zwei Ebenen: auf der Ebene der Philosophie und auf der Ebene der Kunst.
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Wilhelm Schmid - Kynismus als Leibeswissen

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Wilhelm Schmid

Kynismus als Leibeswissen1

Die Kyniker sind die Häretiker der Philosophie; was sie betreiben, ist Häresie, im strikten Sinne des Wortes „hairesis“, das für sie verwendet wird: Sie treffen ihre eigene Wahl. Es ist eine Philosophie, die keine Begriffsbestimmungen vornimmt und keine Kategorien ausarbeitet, die in einer Wissenschaft der Logik verknüpft wären; sie kennt keine Idee und kein Sein und folglich keine Ontologie der Metaphysik; die ganze sogenannte „Erste Philosophie“ existiert hier gar nicht. Die Auseinandersetzung, immer in Form der Performance und der Parodie, mit der Ideen- und Seinsphilosophie durchzieht die Philosophie des Kynismus. Die Philosophie als Akt wird der Ersten Philosophie entgegengestellt: Philosophie, die darin besteht, eine Lebensform zu inaugurieren, eine Lebenskunst der Ethik in diesem Sinne, um auf dem kürzesten Wege die Kalokagathia, das griechische Schön-und-Gute zu verwirklichen und sich nicht in einer feinsinniges Theorie darüber zu verlieren.

Der Begriff des Kynikers kommt von „kyon“, Hund, und rührt wohl davon her, was die Leute auf der Strasse ihm nachriefen. Die andere Herleitung ist die vom Gymnasion Kynósarges im Osten Athens, wo Antisthenes, der vielleicht der erste Kyniker war, ein Schüler des Sokrates, lehrte; es war das Gymnasion des Herakles, des Ideals der männlichen Tugend. „Beim Herakles“, ruft Diogenes, als einer ihm wieder einmal einen Faustschlag versetzte, „das dachte ich nicht, dass ich beim Spazierengehen einen Helm aufsetzen muss!“2 Hunde, die umherstreiften und Fussabstreifer für...

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